Grober journalistischer Unfug, Teil 2
Man mag sich erinnern, vor knapp 8 Monaten war der Name Anselm Waldermann in diesem Blog schon einmal Ziel meines Unmuts, damals schrieb er einen Artikel über Windenergie (na ja, “Windräder” passte gut in die Überschrift, es ging nicht um Windenergie per se).
In der vergangenen Woche gab es einen neuen Artikel, wieder auf Spiegel Online: “Gabriels Solarpolitik hinterlässt Milliardenschuldenberg”
Vorab: Das Klima-Lügendetektor-Blog war schneller und hat schon eine ausgezeichnete und lesenswerte sachliche Replik verfasst. Das soll nun nicht heißen, dass hier eine unsachliche Antwort folgt, aber bei allem Gemecker über Internetjournalismus (Internet-Manifest hier, Antwort von Bodo Hombach) und Angst vor käuflichen Bloggern (ZDF und eine Replik von Thomas Knüwer) müssen die ehemaligen Gatekeeper (d.h. traditionelle Medien) sich dringend daran erinnern, dass sie eine Qualitätsverpflichtung haben. Wenn sie dieser nicht nachkommen, dann werden sie noch schneller eingehen, noch schneller als sie ohnehin schon nicht wahrhaben wollen. Denn eigentlich muss ihnen klar sein, dass man nur dann Geld für seine Inhalte nehmen kann, wenn diese eine gewisse Qualität haben. Und das böse Internet wird dazu führen, dass diese Qualitätsmängel mehr und mehr herausgefunden und angeprangert werden.
Zum Spiegel-Artikel: Wie kann es sein, dass hier absolut polarisierend berichtet wird? Was soll ein irreführender Satz wie “Studien <…> die Spiegel Online vorliegen”? Die angesprochene Studie ist zwei Monate alt, die liegt jederman vor. Warum werden Fakten so zusammen gesetzt, dass sie so bedrohlich und ungeheuerlich wie möglich aussehen? Sieht so der honorierte Qualitätsjournalismus des Spiegel aus? Das es ein politisches Coleur gibt, nehme ich zähneknirschend hin, aber was in diesem Artikel steht ist ein An-der-Nase-herumführen des Lesers oder auf gut deutsch Bullshit und absolut Bild-Niveau.
Unglücklicherweise ist dies kein Einzelfall. So hat zum Beispiel die Redaktion von Bild.de in letzter Zeit mehr und mehr ein Händchen dafür, Überschriften so zu formulieren, dass ein mündiger Bürger auf falsche Fährten gelenkt wird.
Überschrift: Eklat bei der UN
Subline: Steinmeier kritisiert Ahmedineschad
Jemand, der sich bei Bild.de informiert muss daraus lesen, dass Steinmeier für den Eklat gesorgt hat, weil dass die angebotenen Informationshappen sind.
Dann vorgestern die Meldung, dass No Angels-Sängerin Lucy Siegerin der Herzen bei der Stockcar Challenge wurde. Was sagt es mir über die Qualität des Berichtes, dass ich bis zum vorletzten Absatz lesen muss, um zu erfahren, wer gewonnen hat? Sollen nicht die wichtigsten Inhalte vorne stehen?
Bevor sich die Medienhäuser über die Qualität der Blogger aufregen, sollten sie doch ihr eigenes Haus sauber halten. Wenn sich der Journalismus weiter in diese Richtung entwickelt, werde ich nicht mal mehr “ach Mensch, ich hab damals noch den Spiegel vom Mauerfall gekauft” sagen, sondern jubeln wenn es ihn nicht mehr gibt und sagen, I told you so.
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http://www.energynet.de Andy