Ein Außenblick auf die Blogger Relations-Debatte

Mike Schnoor hatte für den November zu einer Blogparade “Blogger Relations” eingeladen. Eigentlich nicht so ganz mein Thema zurzeit, aber ich lese natürlich  interessiert mit bei einem Thema, was seit 2004/5 auf meinem Zettel ist und gefühlt ein ebenso alter Treppenwitz ist, wie “nächstes Jahr ist The Year of Mobile, diesmal aber in echt”.
Spannend bei der Lektüre sind die sich herauskristallisierenden Themenschwerpunkte. Die nunmehr fast 30 Autoren scheinen sich entweder auf das “Wie geht’s” oder die Einordnung der Kategorie im großen Ganzen zu konzentrieren. Dazu ein paar Anmerkungen.

Ob man das ganze Blogger Relations oder Influencer Relations oder sonst wie nennt ist in meinen Augen eine Fokussierung auf Nebensächliches. Aus meiner rationalen Sicht geht es in der aktuellen Debatte darum, dass “Experten” versuchen, neue Claims abzustecken. Nachdem die Begriffe Social Media Berater/Gurus/Ninjas sowohl SEO-technisch als auch in der Öffentlichkeit besetzt sind, müssen neue Territorien erschlossen werden. Da Blogger Relations-Berater (bei aller Aktualität der Disziplin) ein vielleicht doch etwas nischiges Gebiet ist, soll es lieber Influencer Relations heißen. Klingt einfach besser und der Name erlaubt einem, auch weiterhin Facebook-Seiten zu empfehlen.
Ich finde es besonders klasse, wenn die selbsternannten Experten durch ihre Vita bestätigen, dass ihre Berufserfahrung noch nicht so umfangreich ist, wie man sich das von einem Profi wünschen würde, aber hey, 10.000 Tweets sind ja wie 10.000 Stunden Berufserfahrung. Gleichzeitig muss es aber Blogger oder Influencer Relations heißen, weil man sich ja von PR absetzen muss, denn das sind die Leute, die nur Pressemitteilungen verschicken.
Klar, oder? Oder kommt PR gar nicht von Press Relations sondern von Public Relations? Und dürfen PRler vielleicht doch mit Bloggern sprechen, weil sie wissen, wie man mit “Gatekeepern” spricht?

Nee, PRler sind doch die Tanja-Anjas, die en masse Pressemitteilungen mit pdfs und 9MB-großen Fotos verschicken und dann 5 Minuten später nachfassen, ob die Email auch angekommen ist. Oder nicht? Oder gibt es da Menschen, die wissen, welchen Journalisten was interessiert, wie sie den anzusprechen haben, und vor allem was eine “Nachricht” konstituiert? Denn das wäre ja quasi ungefähr so, wie Blogger angesprochen werden wollen/sollen/sollen …

Oder ist es vielleicht sogar egal, wie man das Ganze nennt, hauptsache man macht es vernünftig und schwatzt nicht jedem Kunden eine Facebookseite ein Blog auf.

Natürlich ist der Mehrwert von Blogger Relations klar. Weil aus Zeit- und Platzmangel die Eröffnung der neuen Tankstellenfiliale nicht mehr in der Zeitung abgehandelt wird, wurde sich kurzerhand auf die Online-Medien konzentriert, die gern einfach jede Pressemitteilung as is übernehmen. Oder zumindest die ersten drei Absätze. Und das 9MB große Foto. Das bringt PIs die man schön über IVW.de recherchieren und dem Kunden als Erfolg verkaufen kann. Konnte. Eine Zeit lang. Inzwischen reicht das nicht mehr.

Da kommen den Unternehmen Blogger gerade recht, die die Tankstelleneröffnung gern begleiten, eigene Fotos machen und die eigentliche Nachricht (neue Tankstelle) für ihre Leserschaft personalisieren und interessant machen. Also quasi das, was früher Journalisten gemacht haben…

Ein wichtiges Trend-Segment also (Hust), was – aus unternehmerischer Sicht – durchaus Professionalisierung braucht. Weshalb ein Blogger Kodex wie ihn Achtung! veröffentlicht hat nicht überrascht. Bisschen Eigen-PR als Konsequenz, da haben sicherlich viele PRler gedacht, “Mist, hätten wir auch gekonnt”. Habt ihr aber nicht gemacht.

Natürlich ist dieses ‘neue’ Tool – trotz der langen Inkubationszeit – erst am Anfang der Professionalisierung und der Erfolg wird schwer messbar sein, denn irgendwann werden auch hier die Excel-Tabellen mit Reichweite und Sentiment als Beleg nicht mehr ausreichen und Kunden werden nach ROI fragen.

Vielleicht finde ich ja die Zeit, mal wieder eine Art Hype Cycle draus zu machen oder mein Xing-Profil pflegen…

PS:  Kann Spuren von Ironie, Satire und Polemik enthalten, aber ich verspreche, dass im Verlauf der Textentstehung keine Tiere zu Schaden gekommen sind.

Bloggen auf Medium: Wie kommt man ran, was ist anders und warum überhaupt

Ich habe vor kurzem das erste Mal einen Artikel auf Medium.com geschrieben, der sich mit dem Thema “Warum mache ich eigentlich Musik” beschäftigte und darin beantwortet, warum ich den ganzen Aufwand betreibe. Und ein paar Tage später habe ich dann noch einen Text auf Medium geschrieben, diesmal über die Tatsache, dass ich unter anderem im Kopf üben kann. True Story. Der erste wurde mehr gelesen als der zweite, war auch besser geschrieben. Neben Feedback auf die Artikel bekam ich aber vor allem Fragen zu der Plattform Medium. Wie ist das so, und wie komme ich daran? Kurz und knapp: Cool und hier.
Warum ist es cool?
Schreiben ist ganz einfach. WYSIWYG. Der Eingabescreen ist sehr reduziert und man konzentriert sich wie von selbst auf das Schreiben. Hinzukommen die einfachen Tools zum Formatieren, einmal hier schön zusammen gefasst. Gute Kontextmenüs, eine Freude für UX-Spezis (meine Meinung). Dann das Thema Notes/Kommentare. Auf Medium.com ‘wohnen’ Kommentare nicht unter dem Text sondern daneben, quasi wie “Kommentare” (hier der Medium-Text zu Kommentaren und Notizen).Darüber hinaus kann man entweder den ganzen Absatz kommentieren oder einzelne Worte. Man kann die auch Twittern. Das sieht so aus:

Bildschirmfoto 2013-06-06 um 01.27.26 Noch hat bei den beiden oben genannten Texten niemand kommentiert, daher konnte ich die “gethreadeten” Kommentare noch nicht selbst richtig testen, aber die Idee finde ich klasse.

 
Warum darf ich da schreiben? In irgendeinem Interview mit Biz Stone über Medium gab es den Link zu der Sign-Up-Seite und als anständiger Web 2.0 Jünger habe ich da natürlich sofort meine Emailadresse eingetragen. Und irgendwann kam dann die Einladung zum Schreiben. Der Login mit Twitter-Credentials ist aufgrund der Gründer-Historie logisch und hat gleichzeitig den Effekt, dass man seinen Lieblingsautor schnell findet.
(also bitte gleich http://medium.com/@sebastiankeil bookmarken, da wird noch mehr zum Thema Musik kommen 😉 )

Also. Ausprobieren. Ich glaube, dass das Spaß machen kann, insbesondere, weil Leser die Möglichkeit haben, den Text anderen Kategorien zuzuordnen als der Autor und sich auch eigene Kollektionen zusammen stellen können.  Diese Kollektionen sorgen für zusätzliche Distribution, quasi wie ein Webring, und bieten gleichzeitig einen guten Blick über den Tellerrand. Sehr spannend.

 

Ein Herz für Musik und Blogs

Kai schrieb in seinem re:publica-Rückblick, dass er sich gut mit Menschen unterhalten hat, die er vorher nicht kannte. Ich hab ihn von weitem gesehen, bin leider nicht auf ihn zugegangen, obwohl ich mich gern mal mit ihm unterhalten würde. So ist das manchmal. Nächstes Mal. Sein “neue Musik”-Überblick hat mich zu diesem Blog-Eintrag inspiriert.
Genauso, wie ich mich einmal im Quartal glatt rasiere, kaufe ich mir einmal im halben Jahr den Metal Hammer, um mal zu schauen, was so im Rock’n’Roll “geht”. Hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Lesung:

Vom Band:
Limp Bizkits gibt es noch, wieder mit Wes Borland, und bringt Teil 2 von The Unquestionable Truth. Limpbizkit.com ist wieder online, mit kyte, twitter und blog.
Machine Heads neue Platte ist wohl schon draußen, habe ich aber noch nicht gehört.
Faith No More feiern Re-Union, erstmal mit Konzerten.Queensryches American Soldier Album wurde zwar schon verrissen, ich finde die Platte aber gar nicht so schlecht. Kein klassisches Queenryche-Album, wenn man ProgRock a la Mindcrime oder Empire erwartet, aber nett anzuhören.
Die neue Dream Theater-Scheibe wird angekündigt, aber im Metal Hammer noch ohne Namen – Redaktionsschluss 4 Wochen vor Erscheinungsdatum ist so eine Sache. Die Platte heißt Black Clouds, hat ein sehr Awake/A Change of Seasons-esques Cover und ich war erstaunt, wie lange es keinen Fake-Torrent dazu gab. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, denn dieses Vorab-Video hat mich sehr angefixt, nachdem die letzten drei Alben nur bedingt mein Fall waren. Und Cover-technisch angsprochenen Alben gehören zu meinen DT-Favorites. Und die beiden Tracks, die bereits “umherschwirren” sind sehr hörbar.

Mein absoluter Liebling der letzten Monate ist die neue Live-Scheibe von Pain of Salvation, The 2nd Death of…. Die unbescheidene Ansage vor der ersten Nummer geht so: “Good Evening. Tonight we’re gonna fuck you up so bad you won’t what hit you.” Und recht hat er, alle wichtigen Tracks aus der History, 1A vorgetragen sowie eine Hammer-Cover-Version von “Halleluja”.

Da dies ja das Ende einer Ära sein soll, bin ich schon sehr gespannt auf das nächste Studioalbum.
Und wer es nicht mitbekommen hat, dies stand nicht im Hammer: Mr. Big haben sich für eine Tour wieder zusammen gefunden, allerdings erstmal nur Japan. Europa-Tour oder gar ein neues Album kann ich erstmal nicht bestätigen.

Live:
Killswitch Engage kommt zwar nach Deutschland, aber nicht nach Hamburg. Und selbst wenn ich zu Rock im Park wollte, da bin ich im Urlaub.
Stevie Salas ist um den 16.5. in der Nähe, aber nur Hannover, nicht Hamburg. Limp Bizkit kommt nach Hamburg, aber am 9.6. bin ich auch im Urlaub.
Chickenfoot, die neue Band mit Sammy Hagar, Joe Satriani, Michael Anthony und Chad Taylor (RHCP), spielt am 7.7. in Hamburg. Da bin ich da und auch schon in den 50 Euro teueren Apfel gebissen, sonst sehe ich am Ende gar kein Konzert:
This just in: Dream Theater wird am 2. Oktober! Siehe oben. Karte ist geordert.

Und dann war doch die “Ein Herz für Blogs“-Aktion, gestartet von Kai, mit inzwischen 790 (!) Kommentaren und Pings.
Ich will mal versuchen, meine deutschen Perlen zu finden.

Geek and Poke. Die Comics sind zwar auf Englisch, der Autor ist aber deutscher. Schon sehr lange dabei. Schon sehr lange sehr gut.

rebel:art: Zeigt mir immer wieder, wie intensiv visuelle Kreativität sein kann.

Carta: Frisch. Subjektiv objektiv. Zukunftsträchtig.

Betterandgreen: Mit viel Liebe zubereitet.

Die Rückseite der Reeperbahn: Herrlich skuril, herrlich nachbarschaftlich.

Boschblog: Bosch wird irgendwann mal ein Buch schreiben. Mit Recht.