Anfang Februar 2012

(heute mal wieder auf deutsch, damit mein Vater mitlesen kann, hi Dad)

Letzten Donnerstag haben wir im Büro nach sechs Monaten eine Praktikantin verabschiedet, die nach einem Praxissemester leider zurück an die Uni geht. Das war für mich einerseits traurig, auf der anderen Seite auch Anlass zurück zu blicken: Ich habe sie eingestellt was wohl bedeutet, dass ich schon über sechs Monate bei Scholz & Friends Hamburg Digital bin. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Allerdings ist in dieser Zeit auch sauviel passiert. Allein im letzten Monat ist sauviel passiert. Insgesamt haben wir in dieser Zeit viele klasse Projekte gelaunched, bekommen langsam ein bisschen Presse, und schreiben endlich auch selber Dinge in dieses Internet (für Firefox-User ist hier der Link zum Feed).

Sieben Monate, und erst jetzt habe ich das Gefühl angekommen zu sein, erst jetzt scheint es möglich über das eingependelte Tagesgeschäft hinaus gezielt neue Themen anzugehen. Gleichzeitig kommen bei mir selbst auch immer weiterführende Themen auf den Schirm – wie der Zufall es so will lese ich gerade die Steve Jobs Biographie und Predictable Success von Les McKeown (Kindle Highlights) und fühle mich sehr inspiriert, darüber hinaus habe ich endlich ’10 Days to Faster Reading’ angefangen, festgestellt dass ich doch langsamer lese als ich gedacht hätte, aber mich schon stark verbessert. Lernen hört ja nie auf.

Das Schöne ist zurzeit, dass es nicht nur bei mir in die richtige Richtung geht. Meine werte Gattin wird neben der Arbeit für das Friedensgutachten in diesem Sommer Lehrveranstaltungen an der Uni Hamburg geben, hat diverse Vorträge in der Pipeline und wird als Fellow an das Zentrum für Friedens- und Demokratieforschung in Osnabrück gehen.

I am a very lucky man at the moment and very thankful for it.

Status Quo

Wenn ich morgens die Mails von Abe lese, dann kann ich zurzeit nachleben, wie wir vor genau einem Jahr Schlüsselübergabe, IKEA-Einkäufe und Tripps zwischen der alten und der neuen Wohnung gemacht haben.1 Kommende Woche werden wir umgezogen sein 😉

Beim Lesen kann ich mir klar machen, wie sehr sich das private Leben verbessert hat, in diesem Jahr. Obwohl ich zur Halbzeit auch den Job gewechselt habe, in eine große Agentur. Meine Meinung zur Work-Life-Balance ist den Lesern dieses Blogs ja bekannt, und es freut mich, dass in unserer Branche mehr und mehr ähnliche Stimmen laut werden. Kreativität ist ohne Innehalten nicht nachhaltig, Anfang der Woche rief Hubertus von Lobenstein auf, einen Schritt zurück zu treten, um den eigenen Status Quo zu hinterfragen.

Zur Gründung des The Third Club schrieb Tapio Liller einen langen und sehr guten Artikel in seinem Blog, der in die gleiche Kerbe schlägt. Wir sind letztlich unseres eigenen Glückes Schmied, wir können entscheiden, ob wir der Hamster im Rad sein wollen, oder zu Bedingungen arbeiten, die unserem Wunsch entsprechen. Entweder man geht den Solo-Weg oder sucht sich Arbeitgeber, die dies unterstützen (ohne Zweifel zahlen Mirko Kaminskis Videos für Achtung! auf den Preferred Employer Index ein).

Möglicherweise lässt das Interesse, bis 21 Uhr in der Agentur zu sitzen auch bei den Kollegen irgendwann nach, die nicht Eltern sind. Bei mir war das jedoch ein entscheidender Punkt. Und vielleicht macht diese plötzlich allgegenwärtige Verwundbarkeit, die das Elternsein mit sich bringt, anfällig, aber in der vergangenen Woche gab es mehrfach Anlass, innezuhalten, und sich zu vergegenwärtigen, warum man “das alles” macht. Geschichten wie das kleine chinesische Mädchen, dass auf überfahren und liegen gelassen worden ist, oder der brutale Überall auf Stephan Hampe stimmen mich sehr nachdenklich.

“Lebe jeden Tag als wäre es Dein letzter” ist für meinen Geschmack etwas zu pathetisch, doch man sollte ich fragen, ob die Highlights (schöner Abend mit dem Partner, Kinderlachen, gelungene berufliche Meilensteine, befreites Musizieren) in angemessenem Verhältnis zu, nun ja, den ‘anderen’ Tagen stehen. Die Kunst besteht meines Erachtens, nicht nur einmal im Jahr in sich reinzuhorchen, einmal im Jahr die Vogelperspektive einzunehmen, sondern regelmäßig.

  1. Schön wie ein vermeintlicher einfacher Service emotionalen Mehrwert liefert. []

Weighing chips

I am sitting in the ruin that is Newark International Airport, waiting to return to Hamburg, my wife and kids, work, well my life. I just took a week off, reconnecting with my past but in some way also my present.
There won’t follow a detailed account of what I did or what I might have learned.
Let’s just say that walking around Brooklyn with the Avett Brothers on the headphones after a very special lunch was one thing I’ll remember for a long time.
Here’s to the future.

20111006-173302.jpg

Update: Back at home I found this beautiful version of I and Love and You

Work-Life-Balance: Lebe

Gestern wurde Junior Vier, ein Ereignis, dem er mächtig entgegen fieberte, und das er interessanterweise mit Fähigkeiten verknüpfte (“das kann ich erst wenn ich vier bin”, “wenn ich vier bin…”). Es gab eine Piratenparty und ich war dabei. Schon vor Wochen hatte ich mir das in den Kalender eingetragen, auch weil ich gedacht habe, arbeitsreiche Montagnachmittag gibt es viele, Piratenparties weil Junior vier wird nur eine.

Und es war klasse. Piratentorte, Piratenschatz, Geschenke, Kinder, die mich volle Pulle anschrien (Micky Mäuse beleben jede Partie), Kekse, Versteckspielen in der Wohnung (Kinder die sich 7x hintereinander am selben Ort verstecken) und trotz Zuckerschock ein entspanntes Schlafengehen (inkl. heute früh aufstehen, um weiter mit dem Feuerwehrdrehleiterwagen zu spielen).

Ich habe einfach gestern nach dem Insbettbringen die Präsentation weiter studiert, Emails gelesen und beantwortet und mir so meine Gedanken gemacht. Aber dieses Mindset scheint immer noch ungewöhnlich. Die Videos von Mirko Kaminski scheinen dies zu bestätigen, irgendwie denken viele Kollegen noch in Hamsterrad-Metaphern. Was besonders in unserer “kreativen” Branche eigentlich tückisch ist, oder?

Selbst der Betreuer im Kindergarten fragt mich, “und sie haben sich jetzt frei genommen oder was, das finde ich ja toll”. Ja klar. Warum nicht und wie soll ich denn vernünftig arbeiten, wenn ich weiß, dass zuhause tolle Luftschlösser gebaut werden, und – so ganz nebenbei – meine Frau das alles alleine wuppt. Nicht nur Spaßverzicht, sondern auch noch Schuldgefühle. Auch ein Weg, um im von Kaminski erwähnten Burn-Out zu landen.

Es geht um verantwortungsvollen Umgang mit seiner Arbeitskraft. Ich verlasse so oft ich kann kurz nach 18 Uhr das Büro. Und setz mich wenn die Kinder schlafen noch mal ran. Warum? Warum denn nicht? Was passiert denn genau in der Zeit? Meist Meetings, die länger laufen. Die kann man entweder ganz sein lassen oder einfach mal früher starten lassen. Oder man wartet. Auf Infos vom Kunden, Bilder, Texte, ppts, einen Anruf, die Inspiration. Warten kann man auch gut auf dem Fahrrad. Warten kann man auch, ohne das als aktive Arbeitszeit zu verbuchen in der man sich mit YouTube-Videos und Facebook-Posts die Zeit vertreibt. Wie effektiv ist es, bis nachts um 10 am Schreibtisch auf Visuals zu warten, die eh per Email kommen?

Vor längerer Zeit habe ich mal das ROWE-Buch gelesen, darin geht es wohlgemerkt um Results-ONLY-Work-Environment, nicht Results-Oriented. Aber Results-Oriented finde ich schon einen wichtigen Schritt.  Jeder ist tatsächlich  seines Glückes Schmied. Verantwortung und Offenheit gehören dazu, die nehme ich für mich in Anspruch, und im Gegensatz zu Junior nicht erst, wenn ich groß bin.

LEGO-Nostalgie

Oder: Noch ein Kreis schließt sich.

Am Wochenende ging ich in den Keller, um für Junior meine alte LEGO-Kiste hoch zu holen. Die, die ich seit knapp 8 Jahren immer von Keller zu Dachboden zu Keller mit umziehe. Die, die vorher bei meinen Eltern/meiner Mutter im Keller war. Die, die bei genauerem Überlegen wohl knapp 25 Jahre nicht geöffnet wurde, also praktisch aus einer Zeit kommt, wo Frank Elstner noch “Wetten dass ?” moderiert hat und die Welt noch in Ordnung war.

Eine schwere große Umzugskiste ist es, voll mit Gefrierbeuteln, alles noch sortiert. Die schmalen 2er, 4er, 8er, die platten Dünnen, die Platten, Fenster, Figuren. Eine Tüte Weltraum, eine Tüte Reifen, viel LEGO-Technik (das echte, keine Firlefanz Sondersteine) und so weiter. Dann einige offene Tupper-Dosen, da merkt man dann den Staub von 25 Jahren doch, nicht ganz so schön. Es scheint mir weniger als ich dachte, aber ich war ja auch kleiner. Dann fällt mir auf, dass die ‘normalen’ Bricks fehlen, da muss irgendwo noch eine anderer große Tüte sein.

Und die Anleitungen. Ich hatte einen großen Ordner voller Anleitungen. Und Katalogen mit Anleitungen. Mit Jahreszahlen wie 1979 und 1986. Einer mit dänischem Preisschild, zweifellos ein Andenken an den legendären Ausflug nach Billund ins Legoland. Erinnerungen werden wach an meinen Vater, wie er sortiert. Und an seiner Werkbank Kisten baut, zum Sortieren. An uns, wie wir in den Steinen sitzen und bauen. Erst guck ich ihm zu, später bau ich selbst. Daran wie man anfängt ein Haus zu bauen und es ein Schloss wird. Mit LEGO geht alles. Und diese Kataloge, die einen in eine Traumwelt entführen. Einer ganz besonders, das sind zwei Figuren, die sich erst ihr Traumhaus bauen, dann Bus fahren, dann Raumschiff und damit zu den Rittern und dann wieder nach Hause, in jedem Abschnitt gibt es die passenden Anleitungen dazu.

5 Minuten nach dem wir die Kiste aufgemacht haben, ist dieses Bild entstanden. Die aufgeschlagen Seite hat ihn gepackt, die hat er lange studiert. Die ersten Tüten mit Steinen haben wir erst viel später ausgepackt…

 

Der Kreis schließt sich – meine Zukunft ist digital und gelb

Kaum zu glauben aber es ist schon drei Monate her, dass ich meinem langjährigen zweiten Zuhause WBN “Auf Wiedersehen” gesagt habe. In der Zwischenzeit habe ich viele gute und interessante Gespräche geführt, auch skurrile Situationen erlebt, und nicht zuletzt im Scholz & Friends Opel Performance Center mit einem tollen Team an großartigen Dingen gearbeitet.
Die zwischenzeitliche Freiberuflichkeit nähert sich aber schon wieder dem Ende, denn eine der Bewerbungen war erfolgreich und ich habe unterschrieben.
Einige zukünftige Kollegen kenne ich noch von früher, die Agentur nun durch zwei längere Projekte, und ich bin mir sicher, dass das Team viel bewegen wird.
Also, ab 18. Juli habe ich meinen Schreibtisch als Etat Direktor bei Scholz & Friends Hamburg Digital.

Wie man vielleicht sehen kann, ich freue mich.

Es gibt genug zu tun und wir wollen noch weiter wachsen. Das bedeutet übrigens ganz konsequent, dass wir noch weitere Verstärkung in der Beratung suchen, auf unterschiedlichen Leveln. Meine Nummer habt ihr ja…