PRler, Twitter, Social Media Camp: to be or not to be

Sachar hatte zuerst den Anstoss zu einem Social Media Camp gegeben, dann ging es in eine mixxt-Gruppe, gestern hat er nachgehakt, “was geht?”

Gute Frage, dazu ein kleiner Exkurs, der mir schon seit längerem auf der Seele liegt.

Als ich damals, inspiriert von Steve Rubel, mit dem Bloggen anfing, ging es darum, sich mit dem Medium zu beschäftigen, auszuprobieren. Es könnte ja mal einer unserer Kunden danach fragen, und dann muss man mehr wissen, als in Büchern steht. Gesagt, getan, obwohl das viel Arbeit warist. Mit ehemals 4 Blogs und Nutzerkonten bei jedem Service, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, mache ich mir es natürlich auch nicht leicht. Dennoch glaube ich inzwischen zu wissen, wie man einige Dinge/Ziele erfolgreich mit Social Media-Tools umsetzen/erreichen kann. Work in progress.

Als die Frage nach Corporate Blogs richtig heiß diskutiert wurde gab es auch schon viele “Experten”, viele davon hatten auch ein entsprechendes Blog. Die einhellige Meinung war, das Corporate Blogs das richtige Tool sein können, aber viel Zeit kosten.
Warum ist Twitter besonders unter “Experten” so beliebt? Logisch, weil die Einstiegshürde gefühlte 100 Meter unterm Bloggen liegt. Und man sich viel leichter posititionieren kann, durch schlaue Regeln, Links und Statistiken, dass man x-mal regetweeted wurde. Erklärt das mal meinem Vater und ihr bekommt ein Bild davon, wie klein dafür Zielgruppe ist. Und wie viele Blue-Chip Firmen in Deutschland, die man als potentielle Kunden zählt, suchen ihren “SM-Berater” (Jens Best) schon auf Twitter? Das geht anders und eigentlich wissen das alle. Da wird die Agentur angerufen, “wir brauchen da jetzt auch mal eine Twitter-Strategie, macht das mal”. Twitter als New-Business-Tool funktioniert für die wenigsten. Und für viele ist das einfach das, als was es im ersten Use-Case gedacht war: Ein Weg mit Freunden in Kontakt zu bleiben.

Zurück zu Sachars Post. Ich persönlich empfinde nichts darin als kontrovers, sondern im Endeffekt richtig beobachtet. Allerdings sind die Wege zu den Beobachtungen meines Erachtens etwas anders:
Diejenigen, die Social Media wirklich beherrschen, haben keine Zeit. Nach meinen Erfahrungen geben sie immer gern Auskunft über das wie und warum – ihre Leistung, die sie sich bezahlen lassen und weswegen sie keine Zeit haben, nebenbei ein Camp zu organisieren, ist die Wandlung von Unternehmensinteressen in eine Strategie. Umsetzen können viele, die vorangehende Transferleistung erbringen nicht. Das ist so wie damals im Geschichtsunterricht, wo ein Lehrer sagte, das Buch mit den Jahreszahlen könnt ihr mit in die Klausur nehmen, auswendig lernen ist keine Leistung.

Dann gibt es die “Experten”, die immer gern mitdiskutieren, aber vor allem eins tun, nämlich nachplappern, was Steve Rubel macht, nachmachen, was C.C. Chapman macht und dabei wenig neues schaffen. Viele aus dieser Gruppe haben den Begriff Share Economy noch nicht verstanden, dass dies auch etwas mit Geben zu tun hat. Sie sind diejenigen die in die Color Line Arena zum Eishockey gehen und pfeifen, wenn 3 Minuten ihrer Meinung nach nichts passiert, weil sie Tore oder Kämpfe sehen wollen, aber die Feinheiten des Spiels nicht verstehen. Sie wollen berieselt werden und ab und zu zu verstehen geben, dass sie auch noch da sind.

Dann gibt es die unter uns, die sich beruflich zwar damit beschäftigen, für die das aber nicht Prio 1 hat. Denn das einfachste für das geplante Camp wäre doch zu sagen, Sachar (im Namen von roccatune) oder Oliver (im Namen von 13.Stock) oder auch ich (im Namen von WBN) sagen, jo, ich mach das. Aus irgendeinem Grund ist das aber noch nicht passiert. Vermutlich, weil wir gerade andere Dinge auf dem Zettel haben, oder der Wunsch einem Camp nicht so groß ist, wie die Reiseplanung zur re-publica oder das Akquirieren von Neukunden oder das Ausarbeiten einer Idee, die mehr ROI bieten, als ein weiterer Netzwerktermin.

Anmerkungen: Ich denke, dass die weitere Diskussion über Blogs geschehen sollte, weil bei den 100 Interessierten rivva mehr wiegt als mixxt. Ich denke, wir sollten bei der re-publica nächste Woche unbedingt sprechen. Mein Vorschlag wäre erstmal DienstagDonnerstag Mittagspause, dann für MittwochFreitag noch eine halbe Stunde.(Scheinbar gibt es schon einen Termin, da werde ich mal rausfinden, wann der ist…mir sagt ja keiner was, ;-)). Und ich könnte mir auch gut vorstellen, das ganze virtuell stattfinden zu lassen. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an die beiden Global PR Blog Wochen, organisiert von Constantin Basturea. Das hat auch funktioniert.

  • Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die re:publica beginnt am Mittwoch. Und, sofern ich mich nicht irre, ist für Donnerstag bereits ein Termin mit allen Interessierten vereinbart.

    Davon abgesehen: Ja, ich könnte mich melden und sagen, ich mache das. Aber: Ich würde das als Privatperson machen und nicht im Namen von roccatune. roccatune ist eine Musikplattform. Dabei geht es um Musik – und nicht um Kommunikation. Tools wie twitter oder Blogs erleichtern mir meine Arbeit, aber sie sind nicht der Kern meiner Arbeit. Meine Arbeit besteht im Bekanntmachen der Plattform und nicht im Philosphieren über Tools. Das mache ich ausschließlich in meiner Freizeit. Deswegen ist die Hauptorga so einer Veranstaltung wesentlich besser in den Händen einer Person, Firma oder Agentur aufgehoben, die dieses Event auch während der Arbeitszeit konzipieren kann.

    Zu den von Dir deklarierten Gruppen: Genau so ist es. Und leider ist die Zahl derer, die meint, etwas zu können, wesentlich höher als derjeniger, die wirklich etwas kann. Nur: Die, die wenig können, haben am meisten Zeit, um zu gackern und via twitter ihre Regeln und Links zu posten.

  • Jens Best

    Habe nie geschrieben, dass Blue-Chip-Firmen einen “SM-Berater” auf Twitter suchen. Und vor allem sollte vor einem schnell-eingerichteten Twitter-Account oder einem sinnvolleren SM-Tool erstmal das Verständnis für “das Internet” bei einigen Menschen (Kunden) gesteigert werden.

    Da geht es nicht um irgendwelche SM-Evangelien oder Kommunikation-Strategien, sondern ersteinmal um das Verständnis, dass man sich z.B. als Unternehmen im gesellschaftlichen Dialog einbringen sollte, sich seinen Vernetzheit klar werden sollte. Und vorallem darum, sich diesem Prozess auch online zu stellen.

    Ich kann einen Kunden bei diesem Prozess begleiten. Mehr nicht. Wer nicht teilhaben will, bekommt auch keine Einfach-Lösungen.

    Wer schnell mal ein Twitter-Account zusammenbastelt und lachhaft bespielt oder eben fake-accounts ,also fake-publikum dem Kunden anbietet, um “ein Momentum” zu schaffen, der hat die Kunden, die er verdient und wird langfristig dem eigentlichen Wesen von Social Media, verstanden als Kernfunktionalität des Web, Schaden zufügen.

    Ich denke es ist durchaus sinnvoll mal einen “internen” Dialog zu führen, um klarer abzugrenzen, was denn die einzelnen Personen, Agenturen etc.pp. unter SM verstehen und mal Grundlagen zu schaffen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

    Freue mich auf unsere Gespräche auf der re-publica

  • @Jens: sorry, wenn das mehrdeutig war, ich wollte dir lediglich den Begriff “SM-Berater” attribuieren.

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