Review: Thomas Pletzinger – Gentlemen, wir leben am Abgrund

Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich nur Bücher von drei Autoren auf deutsch lese. Max Buddenbohm, Thomas Pletzinger und Arne Vollstedt (wenn’s denn endlich rauskommt). Schön also, dass Pletzingers Zweitwerk (Bestattung eines Hundes hatte ich bereits empfohlen) ‘Gentlemen, wir leben am Abgrund‘ endlich erschienen ist.

Sportliteratur mag nicht jedermanns Sache sein, meine ist es. Vermutlich hängt das mit den aufgewühlten Emotionen durch Extremsituationen und wahnwitzige Dramaturgie zusammen, die Sport so mit sich bringt. Blood, Sweat and Tears. Pletzinger begleitete ein Jahr lang das Basketball Team von Alba Berlin. Wie das Schicksal es so will bis ins fünfte Spiel um die Deutsche Basketballkrone. Spiel 7 um den Stanley Cup wäre das Äquivalent in meiner Welt. Ich war mir während der ersten Kapitel des Buchs nicht sicher, ob die Zeitsprünge in seiner Erzählung wirklich nötig sind. Ich fragte mich, warum dieses Stilmittel, kommt hier der Postmoderne mögende Literaturwissenschaftler durch? Irgendwann jedoch passen die Puzzleteile zusammen und bilden ein ganzes – und dann nimmt das Buch noch mehr Geschwindigkeit auf und der Leser marschiert Richtung Finale.

Für mich ein Page-Turner, unbedingte Leseempfehlung!

 

Lesebefehl: Ken Auletta – Googled

Ich freu mich immer, wenn ich auch tatsächlich ein Buch von der Liste streichen kann, das am Anfang des Jahres drauf stand. Von Ken Aulettas Googled hatte ich schon viel gehört, aber immer gedacht, na ja, ein Buch über Google halt, ein bisschen Historie und die Erkenntnis, dass Google irgendwie wichtig ist. Und klar, das trifft auch zu, aber das Buch ist weit mehr.

Auletta fängt ganz vorne an, 1998 in einer Garage, und zeigt nicht nur die Geschichte von Google auf, sondern auch die der beteiligten Konkurrenzunternehmen und Personen im näheren Umfeld. So entsteht eine Geschichte des Valleys, nicht vollständig, aber sehr informativ. Bill Campbells Rolle zum Beispiel ist sehr interessant zu sehen, auch die Anzahl, Vielfalt und Komplexität der Fronten an denen Google sich wehren muss.

Das Buch ist leicht zu lesen, enthält aber viele Informationen, was zumindest bei mir zur Folge hatte, dass es lange gedauert hat bis ich durch war. An einigen Stellen fragt man sich, warum jetzt dieser Exkurs, denn der Zusammenhang wird erst einige Seiten später klar, aber grundsätzliches Urteil: Pflichtlektüre für alle, die im Bereich Online arbeiten und nicht schon 2000 Digital Natives waren.