Abenteuer Istanbul Woche 5/13 – Hausaufgaben, Ruhe, Fußball, Hagia Sophia

Eine ruhige Woche. Meine Frisur wird nicht nicht besser, dafür geht Christiane mit der Vermieterin zu deren französischen Friseurin. Jr. und ich kümmern uns derweil verstärkt um Hausaufgaben. Diese Woche wollen wir vor allem Hefte abschließen, denn nächste Woche kommen Oma und Opa und können Sachen mit nach Hause nehmen – ein guter Ansporn. Der Schreibschrifttest wurde schon absolviert, das Buch mit der Füchsin gelesen, jetzt wird viel gerechnet.


Mittwoch fahren wir noch mal in die Stadt, ich muss schon wieder nach Gitarren gucken, die Kinder sind aber auch ein bisschen froh über jeden Stop, denn die Läden sind zum Schutz der Instrumente alle klimatisiert. Donnerstag regnet es, und Christiane fliegt für einen Termin nach Stuttgart. Deutschland spielt und wir schauen das Spiel bei den Nachbarn mit unterschiedlicher Aufmerksamkeit. Der Vater und ich fachsimpeln (also er fachsimpelt, ich tue als würde ich verstehen), seine Kinder gucken mehr auf ihre iPads, Jr. fiebert und Lilli spielt mit ihrer Puppe. Der Vater tippt 0:0, er sagt es sei logisch, das beste Ergebnis für beide Teams. Wie ich das hasse.


Nach dem Regen kommt die Hitzewelle. Wir haben ein Planschbecken, das Wasser ist warm. Wir hängen Wäsche auf, die ist nach einer Stunde trocken. Wir schminken uns, die Schminke zerläuft. Entdeckung der Woche: Das Ramazan-Pide. Leckeres Brot, das die Gläubigen nach Aufgang der drei Sterne essen. Es schmeckt so gut, dass ich gleich noch mal runter zum Bäcker renne, weil das erste in 20 Minuten alle ist.


Keine nennenswerten Ausflüge, außer dass ich nochmal in die Stadt zum Gitarrentesten fahre, die Experten ahnen schon, wo das hinführt… Die Kinder spielen derweil mit ihren Freunden, die sie am ersten Wochenende auf Büyükadar kennengelernt haben. Abends gibt es Pide und eine Einführung in das Haus der Vermieter, denn die fahren in Urlaub und währenddessen ziehen Oma und Opa ein.


Also geht es Dienstag zum Flughafen. Mit dem Bus zum Anleger nach Üsküdar, zwei Stationen mit dem Marmaray unter dem Wasser durch, dann 17 Stationen mit der Straßenbahn. Und wieder zurück. Die Kinder und ich sind bisher weder Marmaray noch Straßenbahn gefahren und haben unseren Spaß. Abends spielt passenderweise Deutschland und irgendwann fällt auch endlich mal ein Tor, sodass die Kinder zufrieden einschlafen können.




Mittwoch dann mal wieder ein Ausflug, wir wollen uns die Hagia Sophia anschauen, „die bis heute die größte jemals über vier Tragepunkten errichtete Kuppel geblieben ist, und auf Grund der besonders kostbaren Innendekoration nebst den allgemeinen Dimensionen des Bauwerkes, gilt die Hagia Sophia allgemein als eines der großartigsten Gebäude aller Zeiten.“ Glaub ich. Sehr beeindruckend, auch wenn natürlich auch dort renoviert wird. Es ist warm, wir brauchen viel Wasser und Eis und ein großes Essen unterhalb der Galata Brücke. Auf dem Rückweg wird eingekauft und wir sehen endlich mal wirklich spannende Spiele in Frankreich. Aber wie schon in den letzten Tagen ist das zweite Spiel einfach zu spät. Nach der ersten Halbzeit geht es ins Bett.

Iyi aksamlar


Abenteuer Istanbul Woche 4/13 – Leben, Picknick, Capitol Mall und Fußballeuropameisterschaft

Vier Wochen sind um – Schon! Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Vielleicht mal ein paar allgemeine Anmerkungen und Beobachtungen?

Drei Stellen hinterm Komma! Ich weiß nicht, warum man die braucht, aber Taschenrechner haben hier drei Stellen hinter dem Komma. Das erste Mal beim Bäcker habe ich etwas geschluckt, als er mir 2300 TL hinhielt, durch drei, die letzten beiden Stellen werden die Pfennige sein, 8 Euro, ok, naja, es schmeckt ja. Aber es waren 80 Cent, die er für zwei Simits und ein Brot haben wollte. Oder die die Milch kosten soll. Muss man wissen, drei Stellen. Überhaupt, Brot. Als Tourist in Amerika (oder Langzeitgast) bekommt man schnell gesagt (und lernt), „das Brot ist hier nicht so doll“. Hier in Istanbul: Sehr lecker und wie schon gesagt, sehr günstig.

Plastiktüten. Eigentlich kenne ich das ja aus Amerika noch, aber inzwischen sind fast 20 Jahre vergangen. Alles. Jedes Einzelteil. Jeder Laden. Immer. Eine. Neue. Plastiktüte. In der ersten Woche haben wir noch gesammelt. Wie früher. Doch schnell war der Plastiktütensammler voll (gibts bei IKEA), und kein Radio Kienaß wie in Heide, der sich über gebrauchte Tüten freut. Also schmeißt man die mit weg. Und denkt über die Menge nach, bei einer Stadt, die knapp 10x mehr Menschen beherbergt als Hamburg.


Donnerstag sind wir privat eingeladen, genießen den Blick von einer Dachterrasse,  und stellen fest: um halb elf abends kostet die Taxifahrt von Europa nach Asien weniger als von der Osterstraße nach Hause. Und schneller geht es auch. Man merkt: Der Ramadan hat begonnen. Die Straßen sind, nicht nur nachts,  deutlich leerer, gegen Abend gibt es immer lange Schlangen beim Bäcker – man möchte das Ramadan Pide – und einige Läden haben auch einfach zu.


Freitag ist schönes Wetter, also verbringen wir viel Zeit im Garten. Da wir gestern nicht beim Gemüsebasar waren muss eingekauft werden. Ein Traum, Berg runter und mit den Tüten wieder rauf. Während mir die Hitze zu schaffen macht haben die Kinder nur ein Ziel: Eröffnungsspiel (zumindest eine Halbzeit)


Samstag geht es in die Mall „Capitol“. Die liegt direkt neben der Sakirin Moschee, einer der modernsten Moscheen des Landes, zudem wohl die erste, die von einer ArchitektIN erdacht wurde. Die Mall hat alles zu bieten, was man erwartet, von Schuhläden in Masse, über McD und Burger King (Lunch!) bis zu Starbucks und Kiehls. Und statt Spielplatz ein Wasserbecken mit Choreo. Die nur zur fixen Zeiten läuft, eine super Geschäftsidee. „Wann ist die nächste Vorführung?“ „In 15 Minuten.“ „Können wir so lange noch bleiben?“ „Na eigentlich haben wir all-“ „Och bütte Papa!!“…




Sonntag geht es wieder nach Kuzguncuk, wir sind in dem Kleingartenparzellenpark zum Frühstückspicknick verabredet. Dieser Park ist erstaunlich weitlaufend und vielseitig (und natürlich hügelig), von Gemüse bis Dschungel. Ich bin zunächst dabei, den Gästewechsel in der Hamburger Wohnung via Hotspot auf dem türkischen Handy und Whatsapp auf dem deutschen zu begleiten und lasse mir dann von Jr. die Gemüsesorten in den Beeten erklären und schließlich die besten Wege „nach oben zum Friedhof“ zeigen. Irgendwann müssen wir uns trennen. Die türkischen Freunde wollen zum Nachmittagsspiel zu Hause sein, wir brauchen noch ein T-Shirt (und eine weitere Vorführung der Wassersymphonie), deshalb machen wir auf dem Rückweg noch kurz an der Mall halt.


//Einschub: Wege in Istanbul. Das erste Mal kommt mir jeder Weg verhältnismäßig lang vor, aber schon beim zweiten Mal ist nichts weiter als in Hamburg auf dem Nachhauseweg bei Rewe rein. Man gewöhnt sich daran, dass die Wege etwas länger sind, aber vielleicht ist es auch die Tatsache, dass ich so gut wie keine punktuellen Termine habe, abgesehen von Interviews oder Zuhör-Meetings.//


Bei Starbucks in der Mall nehmen sie mich etwas auf den Arm, aus dem Grande Cafe Americano mit Milch wird ein Grande Americano, was irgendwie ein kalter Tee ist, beim neugemachten fehlt die Milch, mein Türkisch ist scheinbar noch lange nicht da, wo es sein muss.

Irgendwann sind wir wieder zu Hause und stellen uns seelisch auf das Deutschland-Spiel ein, den Verlauf bzw. die Kommentare und das Verhalten der Familie lasse ich unkommentiert…


Montag endlich mal wieder in den großen Supermarkt mit der Vermieterin, wo mein Freund Orchun meine Frisur komplementiert. Spaßvogel. Er hat irgendwann mal überhört, wie unsere Vermieterin meinen Namen durch den Laden gerufen hat, und mich ein paar Minuten später ebenfalls gerufen. „Sebastian, Sebastian!“ So als würden wir uns kennen. Ich habe natürlich zuerst die Welt nicht verstanden, versteckte Kamera vermutet, bis sich die Sache aufklärte. Jetzt üben wir immer meine neueste Vokabel oder wenn es die nicht gibt, ich bin ja auch faul, geht der Dialog ungefähr so: Guten Tag Orchun, Guten Tag Sebastian. Orchun. Sebastian. Orchun. Sebastian. Schönen Tag noch. Dir auch!

Güle Güle

Abenteuer Istanbul Woche 3/13 – Dolmabahce, Kuzguncuk und ein Anschlag

Der Kühlschrank ist voll, denn immer Donnerstag ist Markt. Ein Markt für Kram und Dings, aber vor allem Obst und Gemüse. Ich kaufe ein und übe Zahlen. Ein halbes Kilo Kirschen, Äpfel, Zwiebeln, 1 Bund Rucola, Basilikum, Tomaten, Gurken (Salat, die sind hier so groß wie große Essiggurken), 2 Kilo Erdbeeren. Dazu verschiedene Oliven, etwas was aussieht wie geflochtener String Cheese aber etwas salziger schmeckt. Schafskäse in Mengen.


Freitag machen wir wieder einen Ausflug, zum Dolmabahce Palast auf dem nördlichen Ende der europäischen Seite, wir nehmen die Fähre bis Kabatas und es ist warm. Sehr warm. Der Palast? Während die großen Räume im Beylerbeyi-Palast sehr eindrucksvoll sind erschlagen die Hallen des Dolmabahce-Palasts. Der Palast ist so groß, dass man den dministrativen Teil und den Harems-Teil des „Hauses“ in zwei Führungen aufteilt. Die wir beide machen, nachdem sich die Kids zwischendurch mit den wilden Katzen ausgetobt haben. Die Handwerkskunst noch detaillierter, noch eindrucksvoller, die Räume größer und mit größeren Vasen, schöneren Teppichen ausgestattet, zumindest im repräsentativen administrativen Teil. Die „große“ Halle? So groß wie die Empfangshalle des Hamburger Rathauses mit „Sitzecken“ an allen vier Seiten. Sitzecken für 30 Leute wohlgemerkt. Und Kronleuchter aus englischem Glas, 2 Tonnen schwer. In England gefertigt, das ist dem Guide wichtig. Der Gang von einem Part zum nächsten ist 300 Meter lang, weil es zwei getrennte Führungen sind werden wir am Ende umgeleitet…in die große Reception Hall. Die Decke macht Michelangelo Konkurrenz, der Kronleuchter hier wiegt 4,5 Tonnen und die Reinigung dauert 42 Wochen, 10.000 Teile werden abgenommen. Jedenfalls wird es so erklärt. In den Füßen der massiven Säulen sind die Heizungsauslässe versteckt, es dauert vier Tage um den Raum zu Heizen. Was manchmal nötig ist, wenn die Feiertage aufgrund des Monds schon im Februar sind. Keine Frage, wenn Beylerbeyi der kleine Palast ist ist Dolmabahce eindeutig der große.


Der Harem ist übrigens nicht der Part, wo die Konkubinen wohnen, zumindest nicht in der Türkei. Es ist der Teil des Hauses, wo die Privatgemächer des Sultans, seiner Mutter, seiner Frau, deren Mutter, und der weiteren Frauen, plus Sekretäre liegen. Plus mittelgroße Reception Halls für Frau, Mutter, Sultan’s Mother und Queen Mother. Unser Guide ist eine Frau mit wenig Lust aber sehr roten Schuhen und sie schafft die 30-Minuten-Tour in 20, „from here you will walk back on your own, but as a group of course“. Wir gehen ja schon.


Samstag regnet es, außer Einkaufen und spielen passiert nicht viel, aber Sonntag geht es nach Kuzguncuk, ein Ortsteil in Bosporusnähe der toll sein soll.

Unsere Busstation Kisikli erkennen wir kaum wieder – alles ist bunt geschmückt, es wimmelt vor Ordnern und Polizei, auf Plakaten steht RTE. Tatsächlich werden auf dem Weg zur Station die Taschen angeschaut und als ich dann die Situation ein wenig für Snapchat festhalte, bittet mich Christiane das lieber zu lassen. Die Sicherheitskräfte würden das überhaupt nicht mögen und mich im Zweifel konfrontieren. Also lasse ich das, aber wir werden noch mal hierauf zurückkommen.

Erste Beobachtung in Kuzguncuk, und es ist möglich, dass ich mich wiederhole: Istanbul ist hügelig. Unfassbar hügelig.

Zweite Beobachtung: Urban. Westlich. Bunt. Hip. Ein bisschen wie die Schanze. Oder New York.

Die Kinder sind zufrieden, denn es gibt jede Menge Katzen zum „oh süß-en“, und Spielplätze und Eis.


Jedenfalls für eine Weile. Den Weg zurück finden sie mühsam, denn es ist heiß, und hügelig. Dazwischen, nachdem wir uns die Straßen und Kleingemüsegartenparzellen von Kuzguncuk erlaufen haben kehren wir ein, im Cafe Yesil Mavi. Der Blick aus der Höhe auf den Bosporus, geschützt von Bäumen und Sonnenschirmen, der Telefonnummer als WLAN-Passwort und einem eigenen Spielplatz. Vielleicht gehen wir da auch unter der Woche mal hin, zum entspannten Arbeiten. Die Kellner sind entweder neu und/oder verstehen Englisch nur so mittel, aber wir bekommen am Ende was wir wollen, Lilli mal wieder „die beste Pizza, die [sie] je gegessen hat“. Naja. Eine schöne Parallele zu einem Hochzeitsfrühstück im Pamukkale: in einer Station sitzt eine alte Dame, die die ganze Zeit Gözleme auf dem runden Stein macht. Schmeckt auch hier.


 



Der Weg zurück zum Bus ist wie gesagt mühselig, aber dann sitzen wir endlich, es ist angenehm leer und zum Glück klimatisiert. Das ist gut, denn die 30 Minuten Strecke dauert fast 90 Minuten. Warum? RTE war nicht nur auf den Postern, sondern kam zur Wiedereröffnung einer Moschee am Platz. Mit Helikopter versteht sich. Den haben wir dann noch stehen sehen, auf dem Heliport kurz vor der Bushaltestelle. Warum ist da ein Heliport? RTE hat dort eine Wohnung, wahrscheinlich ist er nach der Eröffnung einfach zu Fuß nach Hause gegangen…

Am Dienstag dann wieder ein bisschen weniger Show, mehr Realität. Kurz nach 9 Ortszeit erreicht mich Christianes FB-Nachricht, ob wir irgendwas mitbekommen hätten? Wovon, ah, ein Anschlag. Haben wir nicht. Im Internet finde ich den Ortsteil raus, wir sind weit weg. Überhaupt, die Kinder schlafen noch. Es erscheint weit weg, vor allem, weil die Tendenz Europa/Polizei/Touristisches Ziel weiter erfüllt wird. Es dauert bis die Nachricht in Deutschland ankommt, es dauert, bis Tagesschau eine Eilmeldung verschickt. Zwischenzeitlich hatte ich überlegt, einen Facebook Eintrag zu schreiben, es dann aber verworfen. Nach und nach treffen aber doch einige Rückfragen ein und ich ändere meine Meinung. Die Eltern werden informiert.


Am nächsten Morgen ist die Geschichte in der Tagesschau-App schon wieder fast raus, der Streit um RTEs Aussagen größer, ebenso der Tornado in Hamburg. Dort wurde am Sonntag übrigens jemand auf offener Straße erschossen. Gleichzeitig erklärt sich Hillary zur Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei und Cameron warnt for den Folgen eines möglichen Brexit, die Schotten könnten dann das Vereinigte Königreich verlassen wollen. Und mein Internet ist wieder kaputt.

Gestern Abend war ich im Supermarkt einkaufen, Milch, Saft, dazu die Nudeln vom Abendbrot, der Kühlschrank ist wieder voll, das ist ja in Deutschland eine anerkannte Einheit.
Iyi Günler.

Abenteuer Istanbul, Woche 2/13: Beylerbeyi, Kanlica, Hayderpascha, Kadiköy

Woche Zwei ist um und ich fange mal da an, wo ich aufgehört habe, bei der Istanbulkart und Freundlichkeit. Bzw. umgekehrt: Die Karte muss man natürlich VOR der Fahrt aufladen. Manchmal ist nicht so ganz klar, wie viel eine Fahrt genau kostet, und es ist uns passiert, dass wir 0,20 TL zu wenig drauf hatten. Was machen wir als Uninitiierte? Wir zücken unsere Brieftasche und wollen bar bezahlen. Geht nicht. Was nun? Es dauert keine 3 Sekunden, da werden uns drei Karten entgegengehalten, damit wir bezahlen können, mit denen wir bezahlen sollen. Unsere Versuche, den Besitzern die ausgelegte Summe zurückzugeben, scheitern jeweils. Mag sein, dass es an unseren beiden (wahnsinnig süßen) Kindern liegt, aber ich habe eher das Gefühl, dass man hier Paying it Forward lebt. Zumindest im Bus.

Darüber hinaus haben wir eine „normale“ Woche gelebt. Die Gattin geht in Europa zur Arbeit, zweimal holen wir sie ab, wir gehen spät abends mit der Vermieterin einkaufen, finden langsam Dinge die den Kindern schmecken, wobei es weiterhin der Junior ist, der sich furchtlos den neuen Sachen nähert (insbesondere wenn er Hunger hat). Schmeckt ihm nicht alles, aber er versucht’s.


Das Wochenende ist frei und wir nehmen unseren Führer zur Hand, um spannende Reiseziele zu finden. Samstag geht es auf unserer (asiatischen Seite) an der Küste nach Norden, wobei wir zunächst den Bus in die falsche Richtung nehmen. Der Busfahrer denkt allerdings mit und erklärt eine Alternativroute, die letztendlich nicht viel Umweg darstellt. Wir besichtigen den Sultanspalast Beylerbeyi, in dem man leider keine Fotos machen darf, dessen Besuch wir aber sehr empfehlen. Hochherrschaftlich, der Sultan hat hier nicht gespart. Die großen Räume im Erdgeschoss und ersten Stock, Pool Hall und Blue Hall, sind riesig, 650qm vermutlich noch zu konservativ geschätzt, und die Möbel aus der Zeit zeugen von eindrucksvoller Herrschaft. Inklusive der Nachteile für die unterdrücktetänige Bevölkerung. Nach der Besichtigung gehen wir ein paar Schritte weiter ins Dorf. Am Anleger quasi ein süßes Fischerdörfchen und man vergisst, dass man theoretisch immer noch in der Metropole ist. Leider fährt die Fähre weiter nach Norden am Wochenende nicht, so dass wir den Bus nach Kanlica nehmen, dort soll es laut Reiseführer tollen Joghurt geben, eine Mischung aus Schafs- und Kuhmilch .


Angekommen essen wir Kokorec, das ist Döner mit Lamm. Merke: Döner ist eigentlich spezifisch Rind. Könnte man wissen, allerdings gibt es in Hamburg so oft mehrere Fleischsorten zur Auswahl, dass mir das entgangen ist. Der berühmte Joghurt von Kanlica wird mit Puderzucker serviert und in meinen Augen ist das die Besonderheit. Denn ansonsten schmeckt’s halt wie der Joghurt, den wir hier im Laden gekauft haben. Lecker, keine Frage. Da ändert auch die idyllische Lage nichts. Kanlica selbst ist eher ein kleiner Ortsteil und abgesehen vom Pier und den angrenzenden Schmuckständen nicht so viel los. Der Blick über den Bosporus entschädigt allerdings. Der Weg zurück ist lang, wird stehend im Bus zurück gelegt und irgendwie feiern die Kinder die Bratkartoffeln zum Abendbrot.

Sonntag geht es wieder an die Küste, diesmal in Richtung Süden nach Kadiköy, wobei wir erstmal wieder den Bus in die falsche Richtung nehmen (natürlich eine andere Linie). Umgestiegen und angekommen wollen wir den Hayderpascha Bahnhof anschauen, der bei unserem Glück wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Kann man nach 110 Jahren aber auch mal machen. Wir machen ein paar Fotos von außen und entschließen uns, mit der Fähre nach Karaköy zu fahren, um nett Fisch zu essen. Die ursprüngliche Idee unten in der Brücke zu essen verwerfen wir, nachdem die „Kobler“ so nerven, dass ich nicht mal zum Denken komme. Nein, ich möchte nicht deine Karte anschauen.
So gehen wir zu Ann Balik, direkt an der Fähre, wo wie vor knapp vier Jahren schon mal waren. Ähnlich wie beim Butcher’s in Hamburg zeigt man auf das Stück (hier: Fisch), das man essen möchte und sucht ein paar Beilagen aus. Gesagt, getan. Jrs. vertilgt die Kalarami und die Melone, Jr. den gegrillten Lachs und den Käse, und dann ist da passenderweise ein großer Sandhaufen, der dringend bespielt werden muss. Wir genießen Wein und das erste (!) Bier der Reise und lassen einfach die Seele baumeln.


Was noch? Die Kinder haben ihren Rhythmus knapp 2,5 Stunden nach hinten verlegt, was der Arbeit entgegen kommt und unseren Fernsehkonsum entsprechend mindert. Mein erstes Buch habe ich in vier Tagen durch gehabt, und mache beim nächsten und zwei Sachbüchern Fortschritte wie lange nicht mehr… Einen Bericht zum Thema Gitarren wird es separat geben, nur soviel vorab: Klar, dass in einer knapp 10x so großen Stadt die Auswahl entsprechend größer ist…

Ich würde sagen, wir sind eingelebt, ein Kalender hängt, Besucher und EM-Spiele mit deutscher Beteiligung sind eingetragen, erste Urlaubsideen ebenfalls.

Iyi günler.

Abenteuer Istanbul, Woche 1/13: Einleben, Prinzeninsel, Istanbulkart

Nun ging es also los. Monate nachdem die Zusage für das Fellowship kam und wir beschlossen, für 13 Wochen nach Istanbul zu ziehen. Monate in denen wir den Aufenthalt vor Ort planten und überlegten, was wir mit der Wohnung in Hamburg machen würden. 


Inzwischen ist die erste Woche rum, wir haben schon ein bisschen was erlebt und ein bisschen was gelernt. Zunächst die Bestätigung: Wer auf die europäische Seite  muss fliegt am besten über Atatürk, wer auf die asiatische Seite muss am besten zum Sabiha-Gökcen.  Die Preise bestimmt natürlich der Markt, nach Atatürk ist es immer am günstigsten, und dann hat man eine heftige Anreise. Bei 4 Personen und vor allem 6 Koffern haben wir das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelassen und ein Taxi genommen. „Ca. 70-80 TL“. Plus Brückenzoll und extra für das viele Gepäck. Passt schon…

Wir wohnen in einem kleinen Bungalow mit zwei Zimmern, Wohnküche, Bad und eher mittelmäßigem WiFi, dafür in einer verhältnismäßig ruhigen Gegend mit gutem Bäcker und gutem Kaufmann in Laufweite. Die Baustelle hinterm Haus stand natürlich nicht in der Anzeige, aber das Haus unserer Vermieter ist eins der ältesten in er Straße, was durchaus Charme hat.

Donnerstag war dann ein Feiertag. Hätte man wissen können, haben wir nicht, nennt man wohl Lernkurve. Passte zu den ganzen Podien und Bühnen, die wir auf der Fahrt vom Flughafen am Dienstag passiert haben. Tja.


Schon am dritten Tag haben wir einen Ausflug nach Büyükada gemacht, der größten Prinzeninsel. Untergebracht im außerordentlich tollen Splendid Hotel durfte die Gattin arbeiten, während die Kinder und ich die Insel, das Hotel, den Pool unsicher machen durften. Ok, auch iPad spielen und arbeiten.


Besonders zu empfehlen ist hier das Restaurant Primpiko. Klein, urig, Samstagabend legt DJ Enis auf (ca. 70 Jahre) und wenn der berühmte Sänger reinkommt (ca. 75) gibt’s erst seinen Hit vom Band, dann Standing Ovations und zu später Stunde singt er dann auch. Ach ja, das Essen selbst ist erste Sahne, fixel Menu, erst Mezze, dann vielerlei, frisch und lecker.


Istanbul ist hügelig. Wahnsinnig hügelig, und ich glaube, das empfinden nicht nur Norddeutsche so. Ich merke jedenfalls schon nach dieser einen Woche, wie meine Sehnen in der Wade langsam länger werden – super, denn ich möchte endlich mal wieder mit den Händen an die Füße kommen, ihr kennt die Übung. Anyway, nicht nur zum Bus geht es runter, nein, in den Park geht es hoch, zum Markt geht es runter, auf der europäischen Seite in Karakoy geht es zum Galata Turm hoch – man ist immer am Wandern…

Freundlichkeit. Zum einen den Kindern gegenüber. Der einzige, der bisher etwas gesagt hat, war ein Ladenbesitzer, mit Recht. Fangen spielen im Gitarrenladen ist keine so gute Idee. Ansonsten das Gegenteil, freundliche Gesichter, probieren überall. Zum anderen zum Beispiel im Bus. Es gibt hier die Istanbulkart, elektronisch, die man an zB an Kiosken mit Geld auflädt und dann am Bus vor ein Lesegerät beim Busfahrer hält. Zur Rushhour steigen auch Menschen hinten ein, und dann werden plötzlich mehrere Stapel durch den Bus nach vorn gereicht, damit die Fahrt quasi ordnungsgemäß bezahlt wird. Fast wie ein Spiel, und dann wieder nach hinten, bis die Karten ihre Besitzer wieder gefunden haben.


Die Istanbulkart ist also klasse, genau wie die iPhone App „Trafi“. Kann ich nur empfehlen, da sind alle möglichen Verbindungen drin, und auch das Zusammenspiel von Bus, Metrobus und Fähren klappt fantastisch. Bis hin zur Tatsache, dass die App mir anhand von GPS hilft, meinen Ausstieg zu finden… (Wenn die Anzeige aus ist und man die Haltestellenhäuschen nicht sieht, weil der Bus so voll ist, eine gute Hilfe.)

Merhaba!

Review: Sean Ashe – Flux

(if you don’t want to bear my preface, the actual review starts at the fourth paragraph…)

I have been into Sean Ashe for quite some time, I don’t even remember how I got introduced. My guess would be his Instagram but who knows. For the last year or so he let his followers follow (;-)) the development and recording of his first solo album, titled Flux. It was available for pre-orders on his Bandcamp page so I did and this week it finally came out.

Hemisphere and Luminescence were two tracks previously available and there I was, syncing the tracks to my phone, thinking, “well, this might as well be this generation’s Passion & Warfare”. Talk about expectations… The teaser track Memory Lane before New Year’s was equally daunting and promising…

Well, Passion & Warfare might be a bit farfetched in the end. Not because it’s not great but due to what it stands far. First I was wondering whether a statement like that would be fair to Guthrie Govan’s Erotic Cakes or Pete Thorn’s Guitar Nerd, but obviously it’s a very personal matter. What Passion & Warfare was for me – most likely it was a different album for you. But I digress from the actual matter: Sean Ashe’s brilliant debut album:

Sean Ashe’s Flux is of 8 instrumental guitar tracks. But: It’s not really a shred album (good) and it’s not a riff album (awesome!). I am not a fan of songs that feature a great guitar riff but lack a melody to carry the tune. Riff songs unfortunately bore me. Flux is a great selection of melodies that also happen to be played by guitar, in a very fluent manner. I am not the best at describing influences if I am not familiar, so could be saying something like Scofield and Satriani but would probably very wrong.

I like the variety of song styles. There’s a bit of folk guitar, there’s a ska-ish track, but also the instrument selection: It seems that he really puts melody at the forefront, and the instrument at second: Acoustic guitar, piano, and keyboards all have a moment to bow to the song and shine.

And then there is lots of fusion-y songs with many layers of electric guitar but carefully selected tones. Sean endorses Tom Anderson Guitars and I know he uses Mesa Boogie amps – no doubt are they happy because the guitars sound pristine and I am not just click baiting here. Lead and rhythm guitars sound stunningly good. Kind of what I would expect from a Pete Thorn record but not for a debut album – which Sean produced & mixed himself (with a little help, but still).

I knew the drums were done “for real”, but it has to be pointed out that Andreas Sjoen did a superb job playing and recording. The songs have punch and a dynamic range that comes through without disturbing the melody, rather supporting it.

In short, the only complaint I have is that the album could have been longer and that there could have been a tad more shreddage – we know he can play, so maybe just once give in and let us have it full-blast. But all in all, a must-have for fans of great melodies and electric guitar playing.

And if your in the LA area, go to Namm and check him out in person:

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