Abenteuer Istanbul Woche 8/13 – Zisterne, Akin Balik, Frisör, Hängematte, Gilmore Girls

Die Woche beginnt mit Ruhe. Das Wetter hat sich etwas beruhigt, tagsüber 27 Grad, abends windig, nachts angenehm. Nach der Arbeit wird geplanscht oder eingekauft, Kaffee getrunken oder auch Gilmore Girls geguckt, das Yufka-Börek variiert.


Freitagabend kommt Besuch aus Deutschland, es wird gegessen, getrunken, gequatscht bis spät. Am Samstag geht es nach Europa, wir wollen die Zisterne anschauen. Genau wie der Topkapi-Palast aus der Zeit von Justinian, ist das im Prinzip ein großer unterirdischer Raum, wo früher mal Wasser drin gesammelt wurde. Heute leben hier viele Fische und in einem Cafe wartet ein Mann vergeblich auf Kundschaft. Der Wanderweg ist leider zu hell beleuchtet, aber die Grundstimmung ist da.


Die Gäste wollen einmal durch die Hagia Sophia, „wartet mal 20 Minuten hier“. Die Kinder essen Simit mit Nutella, während wir die erhöhte Sicherheit im Vergleich zu vor vier Wochen wahrnehmen. Ein Panzerwagen patroulliert, Polizistenpärchen sind unterwegs. Wir ziehen weiter durch den Großen Bazaar (Bild oben), kaufen wieder nichts und machen uns über die Galata-Brücke auf zu meinem Lieblingsrestaurant Akin Balik. Lockere Atmosphäre, absolut leckeres Essen und faire Preise. Und guter Blick. Fanden die Gäste auch.


Nach Nickerchen in der Hängematte und Kurzeinkauf verbringen wir auch diesen Abend mit Mezze, Wein und Geschichten – wir mussten ja nicht am nächsten Morgen um sieben zum Flughafen… Es könnte schlimmer sein.

Chronologisch steht hier wohl etwas zum Thema Fußballeuropameisterer, aber wir haben weder unsere Facebook-Avatare mit Islandfahnen geschmückt, noch das Finale geguckt. Im Bett habe ich auf Twitter gelesen, dass CR7 zusammen getreten wurde und auf Facebook Anfang der Woche verfolgt, dass Jogi noch nicht weiß, ob er weiter macht, dass er nicht kritikfähig war, dass die deutschen ein Sturmproblem hatten, wie alles wieder gut wurde, weil im Video ein portugiesisches Kind einen weinenden französischen Fan getröstet hat und wie alle plötzlich Ronaldo doch mögen.
Kann sein, dass das alles stimmt, vielleicht auch nicht. Hallelujah.

Dienstag geht es, Trommelwirbel, zum Frisör. Bewaffnet mit Fotos nehmen Jr. und ich Platz und sind auch sofort dran. Der Barbier ist natürlich nicht Frau Wegner und Jr. etwas eigen, aber am Ende ist er zufrieden. Also Jr. Bei mir geht es auch ruckzuck und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Funfact: Hinterher Nieselhaare rauswaschen gehört hier dazu, inkl. Ohren trocken legen.


Mittwoch ist ein komischer Tag und wir beschließen, nach Kuzguncuk zu fahren, in das Café mit WLAN, wir können noch ein bisschen arbeiten, essen und die Kinder spielen. Bei guter Aussicht, bei gutem Wetter, man gönnt sich ja sonst nichts. Das klappt so mittel, denn die Kinder wollen lieber auf unseren Handys spielen, als auf dem Spielplatz, was dem Vater so gar nicht passt. Nun denn, irgendwann sind alle ein bisschen zufrieden, und wir machen uns auf den Heimweg. Hängematte, Podcast, Liegestuhl, Gilmore Girls (irgendwie müssen die Kinder ja ihr Englisch behalten 🙂 )- grundsätzlich kann man es viel schlechter haben.


Donnerstag beginnt mit der Einsicht, dass diese Woche noch gar nicht gebloggt wurde. Die offizielle Antwort ist, dass wir an einem Dienstag gestartet sind, an einem Donnerstag zurückkommen, sich der Veröffentlichungstermin also verschieben muss (denn ich kann ja nicht über eine halbe Woche bloggen), die Wahrheit ist aber, dass noch nicht die Muße da war. Die Vermieterin fährt früh zum Markt, und dann muss ich zur Post und zum Wiedafon-Laden (Name geändert), zwei Erfahrungen die diametraler nicht sein können.

Ausgerechnet bei der Post (ich liebe die Leute in meiner Filiale in Hamburg) erlebe ich zum ersten Mal in der Türkei deutsches Bürokratentum Schrägstrich Servicewüste, wie man es im Buche finden würde. Als Absender darf ich keine deutsche Adresse angeben (obwohl da ein Feld „Country“ ist). Den Tränen nah 😉 rufe ich meine Vermieterin an, die gar nicht auf meine Frage antwortet sondern gleich sagt: Das kennen die nicht, können die nicht, vergiss es, nimm meine Adresse. Oh, ok. Der Kartenleser darf nicht benutzt werden, und ich hab nicht genug Bargeld, der Automat ist nur 50 Meter entfernt… keine Chance – Mittagspause.

Im Wiedafon-Laden versuche ich zu erklären, dass die 50 GB des mobilen WiFi-Steins alle sind. Wir erinnern uns, das Gerät, dass sie mir geliehen haben unter der Bedingung, dass ich es zurück bringe. Ohne meine Adresse zu haben. Der Mann nimmt, macht und erklärt mir, dass ich nun für die nächsten drei Monate 25 GB habe. 80 TL. Ok, gebe ich ihm aber will er nicht. Bezahlt wird später… Versteckte Kamera bei Wiedafon?

Viel „es könnte schlimmer sein“ diese Woche. Mit Recht. Nächste Woche sind es noch vier Wochen bis wir zurück sind, noch ein Monat bis ich wieder ins Büro gehe. Und wenn ich letzte Woche schrieb, dass wir schon an Dinge in Hamburg denken war das kein Spaß. Die Kinder sprechen immer mehr von ihren Freunden, vor lauter Verzweiflung 😉 lernt Jrs. jetzt auch die Schachregeln und übt Anlaute (siehe Cheat-Sheet). Spiele mit den Kindern aus der Straße werden einfacher, müssen sein, bloß mal was Anderes machen, wenn man gerade nicht iPad spielen darf.


Und die Welt bleibt ja nicht stehen. Zumindest nicht länger, als unsere drei Monate. Vielerorts ist es schlimmer, ich sage nur Boris Johnson, Außenminister, Hallelujah.

Keine Sorge, es wird noch prosaischer… nächste Woche 😉

Iyi Günler.

Abenteuer Istanbul Woche 7/13 – Fußball, Ruhe, Ramazan, Kochen, Gitarre

Woche sieben ist genau die Mitte von dreizehn, kaum zu glauben, aber wir haben schon Bergfest. Kein Witz. Das große Abenteuer, hui, wir gehen für drei Monate nach Istanbul, ist halb zu Ende. Ich habe immer gesagt, 13 Wochen ist nix, das geht schnell vorbei… stimmt wohl.  Nun denn, 6 Wochen haben wir noch, also los!


Eigentlich war gedacht, dass wir, bzw. ich,  4 Wochen offiziell Urlaub machen würden, daraus wird wohl nichts, aber, wir bekommen noch einmal Besuch und werden wohl noch zwei Wochenenden wegfahren. Dank der letzten Gäste haben wir nun alle Sehenswürdigkeiten gesehen und werden wohl eher gezielt Orte besuchen, die uns sehr gut gefallen haben. Und dann, machen wir uns nichts vor, müssen schon wieder andere Dinge geplant werden: Jr.’s Geburtstag, Jrs.’s Einschulung, Renovierungen, Herbstferien, alte Jobs, neue Jobs, und natürlich Weihnachten.


Was letzte Woche geschah? Nicht viel. Christiane war arbeiten, ich war arbeiten, Jakob hat fast alle offiziellen Hausaufgaben fertig, jetzt machen wir nur noch Mathe und Vorlesen zum Spaß. Mittwoch wollten wir dann endlich zum Frisör, und unterwegs fiel mir ein, wie beschreibe ich denn den Schnitt, also wie erklär ichs dem Frisör? Nicht so einfach wie drei Äpfel kaufen… Also erstmal zuhause Fotos raussuchen. Donnerstag und Freitag ging es dann auch nicht, Samstag waren wir noch mal auf der europäischen Seite, um ein paar Besorgungen zu machen, ähem – Feilschen mit türkischen Gitarrenladenbesitzern, lustig. Die Ausleihe der gelben Epiphone hat mich also letztendlich für 6 Wochen knapp 80 Euro gekostet. Dafür sind die Finger beweglich… (Natürlich bin ich nicht mit leeren Händen nach Hause gekommen, dazu aber später mehr.)


Gegessen haben wir diese Woche vor allem Ramazan Pide (was machen wir bloss ab morgen, wenn der Ramazan endgültig vorbei ist?) und türkische Rezepte von deutschen Webseiten, wie zum Beispiel der Herzdame ihr liebstes Börek aus der Pfanne oder von Koch dich Türkisch den in Ohnmacht fallenden Imam.


Und sonst? Jrs. hat festgestellt, dass sie gerne abwäscht, und vor allem die Investition in ein Planschbecken hat sich als mehr als sinnvoll erwiesen. Morgens, mittags, nachmittags, nachmittags und abends, bei Sonne, bei Regen, bei Dunkelheit – planschen geht immer, bis die Lippen dunkelblau sind.

Wäre es eine Frage, dann wäre es zum Fazit ziehen natürlich zu früh, aber es ist keine, denn wir alle würden sagen: Kann man nur empfehlen.
Das Geheimnis eines Sommers. Ein bisschen so, wie Herr Buddenbohm das neulich so schön beschrieb

Abenteuer Istanbul Woche 6/13 – Topkapi, Büyükada, Galata, Markttag, Istanbul Forum und noch ein Anschlag

Donnerstag ist Markttag und ein Erlebnis, also gehen wir da hin. Unsere Gäste sind begeistert von der Auswahl an Früchten und deren Geschmack. Wie sagte Onkel Dittmeyer schon, da steckt wohl eine Extraportion Sonne drin. Der Weg zurück, vollbepackt, wird kein leichter sein, aber wir haben ja einen Hackenporsche. Auch wenn die Sonne knallt und es bergauf geht – die frischen Krischen und Erdbeeren und Aprikosen entschädigen.



Freitag machen wir einen größeren Ausflug, zum Topkapi-Palast. Es ist so warm, dass wir uns schon vor der Busfahrt mit kaltem Wasser eindecken und bis zur Rückkehr ständig nachfüllen… Topkapi war der Sultanspalast bis dieser nach Dolmahbace umgezogen ist, und Topkapi zum Museum umfunktioniert wurde. Entsprechend groß ist das ganze. Die Küchen versorgten in der Regel 4000-5000 Menschen, manchmal mehr. Der Blick von den Gemächern über das Goldene Horn ist beeindruckend und die Ausschmückung entsprechend repräsentativ. Einmal mehr bleiben die Gedanken an diejenigen, die das alles erbaut haben, und unsere Gäste verweisen in diesem Punkt auf die Vorzüge der Demokratie. Wir essen wieder bei Akin Balik am Anleger Karaköy und glücklicherweise schmeckt es auch den Gästen. Wenn wir ein Restaurant in Istanbul empfehlen müssten, wäre es dieses. Frischer leckerer Fisch in bester Atmosphäre. Müde kehren wir zurück und lassen den Tag mit Planschbecken und Fußball ausklingen


Samstag wollen wir es ruhiger angehen lassen. Außer planschen und kicken im Garten ist nicht viel geplant. Am Nachmittag erklimmen wir im Park um die Ecke den Aussichtspunkt, der dann doch überrascht. Der Blick reicht weit über das Wasser und der Weg war gar nicht so beschwerlich. Das Parkkaffee serviert gute Limonade und guten Kuchen, wobei sich mein Eindruck erhärtet: Tiramisu gehört nicht zu den Stärken der Istanbuler Küche. Wohl aber das Ramazan Pide.

//Kleiner Exkurs: Ramazan, bei uns Ramadan, heißt übersetzt der heiße Monat und ist der Fastenmonat der gläubigen Muslime (Ausnahmen: Krank, schwanger, auf Reisen – die Tage müssen aber nachgeholt werden). Das Fasten am Morgen beginnt, wenn die Morgendämmerung Licht in die Häuser bringt, oder wenn man am Morgen einen schwarzen von einem weißen Faden unterscheiden kann. Das tägliche Fastenbrechen geschieht irgendwann zwischen Erlöschen des Sonnenlichts und Einbruch der Nacht.//


Von nichts kommt nichts, also machen wir uns Sonntag wieder auf einen größeren Trip, nach Büyükada. Wir machen die Tour um die Insel per Kutsche und gehen beim Walk auf Torture hoch zur orthodoxen Kapelle an unsere Grenzen. Alles in allem bleibt die Insel auch beim für uns dritten Besuch sehr beeindruckend und wir entspannen auf der Rückfahrt mit der Fähre. Nun gilt es noch mal wach zu werden, denn Deutschland spielt gegen die Slovakei. Ein offensichtlich gelungener Ausklang des Abends, den der Autor dieser Zeilen exakt vorhersagte…


Unsere Gäste fliegen am Dienstag, also machen wir uns am Montag noch einmal auf den Weg nach Europa und besichtigen den Stadtteil rund um den Galata-Turm etwas intensiver. Der Turm hat für die Kinder inzwischen die gleiche Bedeutung wie der Schlump in Hamburg. „Da arbeitet Mama.“ Sinnbildlich. Wo immer man das Abbild des Turmes sieht: „Da arbeitet Mama.“ Wir fahren mit der Tünel-Bahn vom Anleger nach oben, schlendern ein wenig am Anfang der Einkaufsstraße Istiklal (für die Heider: Die Gehstraße), inklusive Besuch des Deutschen Buchladens gleich neben der deutschen Schule,  und machen uns dann auf den Weg bergab. Das Thema Gitarre wird vom Autor vorangetrieben, während einer der Gäste mit Junior den Turm besteigt. Beim Weg den Berg herunter lassen wir die Souvenir-Shops links und rechts liegen. Fast. Entdeckt wird ein Stoffladen, in dem Kleidung aus Seide angeboten wird. Echte Handwerkskunst, die vor Ort auch demonstriert wird. Also kaufen wir natürlich was.


Besonderer Erwähnung bedarf das Essen an diesem Tag. Christiane führt uns zu einem unscheinbaren Eingang in einem Bürohaus und mit dem Fahrstuhl nach ganz oben. Die Dachterrasse ermöglicht einen tollen Blick über die Dächer auf das Goldene Horn, so dass die Gäste ihren Trip noch einmal Revue passieren lassen können. Auf Empfehlung essen wir Manti, eine Art ungefüllte, leicht angebratene Ravioli in Knoblauchjoghurtsoße. Lecker.  Am Abend stoßen wir noch mal an, auch auf den Fußball, der in Form der Isländer auch nicht enttäuscht. Brexit bleibt das Thema der Woche.

Dienstag bringen wir die Gäste auf den Weg zum Flughafen, wie sich herausstellen wird nicht zu spät, denn am späten Abend, lang nachdem die Gäste wieder in Deutschland gelandet sind, explodiert vor dem Flughafen eine Bombe. Sicherlich gäbe es nun Gründe, die Koffer zu packen und zurück nach Hamburg zu reisen, aber es gibt eben auch genug Gründe dies nicht zu tun. Der Angst nicht nachzugeben ist nur einer davon.

Da wir den Abend nicht vorausahnen verbringen wir den Tag im „Forum Istanbul“, quasi das AEZ oder die Hamburger Meile Istanbuls. Hier gibt es allerdings neben den üblichen Shops auch noch ein Minilegoland (in dem wir lernen, das das vierte „D“ bei der Kinovorstellung von „Die Legenden von Chima 4D“ Lichtblitze, Wind und Wasser bedeutet) und ein Sealife Akvarium. Die Tierhaltung allein zur Belustigung von aufrechtgehenden Lebewesen ist immer ein Problem, besonders bei einem Schwarmfisch ist mir das noch mal sehr deutlich geworden – es schien als hätten die Fische tatsächlich nur einen 50cm breiten, 3m-hohen Ring um den Besucherraum Platz, ohne Zweifel damit der Besucher sieht, wie Schwarmfische im Schwarm schwimmen.


Das große Becken wiederum, in dem auch die kleinen Haie und Rochen und Gitarrenfische zu Hause waren, erschien extrem groß. Jedenfalls so groß, dass ich meine Bedenken für einen Moment über Bord warf und vollkommen beeindruckt war, denn der Zuschauer läuft quasi in einer Röhre unter ihnen durch. Wenn da so ein Hai plötzlich über einem ist, und dann ein zweiter kommt…ich hab mich erschreckt.

Zuhause bleibt gerade noch Zeit, was zu essen, Lego aufzubauen und über die Schlagzeile, dass die englische Nationalmannschaft vorerst weiter bei der EM mitspielen wolle, zu lachen, da hat uns die Realität in Form des Anschlags wieder. Die politische Situation, und ja nicht nur hier in der Türkei, der Terror – das gehört zu unserem  Aufenthalt dazu, wird immer Bestandteil der Geschichte dieses Sommers sein.

Güle Güle.

Abenteuer Istanbul Woche 5/13 – Hausaufgaben, Ruhe, Fußball, Hagia Sophia

Eine ruhige Woche. Meine Frisur wird nicht nicht besser, dafür geht Christiane mit der Vermieterin zu deren französischen Friseurin. Jr. und ich kümmern uns derweil verstärkt um Hausaufgaben. Diese Woche wollen wir vor allem Hefte abschließen, denn nächste Woche kommen Oma und Opa und können Sachen mit nach Hause nehmen – ein guter Ansporn. Der Schreibschrifttest wurde schon absolviert, das Buch mit der Füchsin gelesen, jetzt wird viel gerechnet.


Mittwoch fahren wir noch mal in die Stadt, ich muss schon wieder nach Gitarren gucken, die Kinder sind aber auch ein bisschen froh über jeden Stop, denn die Läden sind zum Schutz der Instrumente alle klimatisiert. Donnerstag regnet es, und Christiane fliegt für einen Termin nach Stuttgart. Deutschland spielt und wir schauen das Spiel bei den Nachbarn mit unterschiedlicher Aufmerksamkeit. Der Vater und ich fachsimpeln (also er fachsimpelt, ich tue als würde ich verstehen), seine Kinder gucken mehr auf ihre iPads, Jr. fiebert und Lilli spielt mit ihrer Puppe. Der Vater tippt 0:0, er sagt es sei logisch, das beste Ergebnis für beide Teams. Wie ich das hasse.


Nach dem Regen kommt die Hitzewelle. Wir haben ein Planschbecken, das Wasser ist warm. Wir hängen Wäsche auf, die ist nach einer Stunde trocken. Wir schminken uns, die Schminke zerläuft. Entdeckung der Woche: Das Ramazan-Pide. Leckeres Brot, das die Gläubigen nach Aufgang der drei Sterne essen. Es schmeckt so gut, dass ich gleich noch mal runter zum Bäcker renne, weil das erste in 20 Minuten alle ist.


Keine nennenswerten Ausflüge, außer dass ich nochmal in die Stadt zum Gitarrentesten fahre, die Experten ahnen schon, wo das hinführt… Die Kinder spielen derweil mit ihren Freunden, die sie am ersten Wochenende auf Büyükadar kennengelernt haben. Abends gibt es Pide und eine Einführung in das Haus der Vermieter, denn die fahren in Urlaub und währenddessen ziehen Oma und Opa ein.


Also geht es Dienstag zum Flughafen. Mit dem Bus zum Anleger nach Üsküdar, zwei Stationen mit dem Marmaray unter dem Wasser durch, dann 17 Stationen mit der Straßenbahn. Und wieder zurück. Die Kinder und ich sind bisher weder Marmaray noch Straßenbahn gefahren und haben unseren Spaß. Abends spielt passenderweise Deutschland und irgendwann fällt auch endlich mal ein Tor, sodass die Kinder zufrieden einschlafen können.




Mittwoch dann mal wieder ein Ausflug, wir wollen uns die Hagia Sophia anschauen, „die bis heute die größte jemals über vier Tragepunkten errichtete Kuppel geblieben ist, und auf Grund der besonders kostbaren Innendekoration nebst den allgemeinen Dimensionen des Bauwerkes, gilt die Hagia Sophia allgemein als eines der großartigsten Gebäude aller Zeiten.“ Glaub ich. Sehr beeindruckend, auch wenn natürlich auch dort renoviert wird. Es ist warm, wir brauchen viel Wasser und Eis und ein großes Essen unterhalb der Galata Brücke. Auf dem Rückweg wird eingekauft und wir sehen endlich mal wirklich spannende Spiele in Frankreich. Aber wie schon in den letzten Tagen ist das zweite Spiel einfach zu spät. Nach der ersten Halbzeit geht es ins Bett.

Iyi aksamlar


Abenteuer Istanbul Woche 4/13 – Leben, Picknick, Capitol Mall und Fußballeuropameisterschaft

Vier Wochen sind um – Schon! Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Vielleicht mal ein paar allgemeine Anmerkungen und Beobachtungen?

Drei Stellen hinterm Komma! Ich weiß nicht, warum man die braucht, aber Taschenrechner haben hier drei Stellen hinter dem Komma. Das erste Mal beim Bäcker habe ich etwas geschluckt, als er mir 2300 TL hinhielt, durch drei, die letzten beiden Stellen werden die Pfennige sein, 8 Euro, ok, naja, es schmeckt ja. Aber es waren 80 Cent, die er für zwei Simits und ein Brot haben wollte. Oder die die Milch kosten soll. Muss man wissen, drei Stellen. Überhaupt, Brot. Als Tourist in Amerika (oder Langzeitgast) bekommt man schnell gesagt (und lernt), „das Brot ist hier nicht so doll“. Hier in Istanbul: Sehr lecker und wie schon gesagt, sehr günstig.

Plastiktüten. Eigentlich kenne ich das ja aus Amerika noch, aber inzwischen sind fast 20 Jahre vergangen. Alles. Jedes Einzelteil. Jeder Laden. Immer. Eine. Neue. Plastiktüte. In der ersten Woche haben wir noch gesammelt. Wie früher. Doch schnell war der Plastiktütensammler voll (gibts bei IKEA), und kein Radio Kienaß wie in Heide, der sich über gebrauchte Tüten freut. Also schmeißt man die mit weg. Und denkt über die Menge nach, bei einer Stadt, die knapp 10x mehr Menschen beherbergt als Hamburg.


Donnerstag sind wir privat eingeladen, genießen den Blick von einer Dachterrasse,  und stellen fest: um halb elf abends kostet die Taxifahrt von Europa nach Asien weniger als von der Osterstraße nach Hause. Und schneller geht es auch. Man merkt: Der Ramadan hat begonnen. Die Straßen sind, nicht nur nachts,  deutlich leerer, gegen Abend gibt es immer lange Schlangen beim Bäcker – man möchte das Ramadan Pide – und einige Läden haben auch einfach zu.


Freitag ist schönes Wetter, also verbringen wir viel Zeit im Garten. Da wir gestern nicht beim Gemüsebasar waren muss eingekauft werden. Ein Traum, Berg runter und mit den Tüten wieder rauf. Während mir die Hitze zu schaffen macht haben die Kinder nur ein Ziel: Eröffnungsspiel (zumindest eine Halbzeit)


Samstag geht es in die Mall „Capitol“. Die liegt direkt neben der Sakirin Moschee, einer der modernsten Moscheen des Landes, zudem wohl die erste, die von einer ArchitektIN erdacht wurde. Die Mall hat alles zu bieten, was man erwartet, von Schuhläden in Masse, über McD und Burger King (Lunch!) bis zu Starbucks und Kiehls. Und statt Spielplatz ein Wasserbecken mit Choreo. Die nur zur fixen Zeiten läuft, eine super Geschäftsidee. „Wann ist die nächste Vorführung?“ „In 15 Minuten.“ „Können wir so lange noch bleiben?“ „Na eigentlich haben wir all-“ „Och bütte Papa!!“…




Sonntag geht es wieder nach Kuzguncuk, wir sind in dem Kleingartenparzellenpark zum Frühstückspicknick verabredet. Dieser Park ist erstaunlich weitlaufend und vielseitig (und natürlich hügelig), von Gemüse bis Dschungel. Ich bin zunächst dabei, den Gästewechsel in der Hamburger Wohnung via Hotspot auf dem türkischen Handy und Whatsapp auf dem deutschen zu begleiten und lasse mir dann von Jr. die Gemüsesorten in den Beeten erklären und schließlich die besten Wege „nach oben zum Friedhof“ zeigen. Irgendwann müssen wir uns trennen. Die türkischen Freunde wollen zum Nachmittagsspiel zu Hause sein, wir brauchen noch ein T-Shirt (und eine weitere Vorführung der Wassersymphonie), deshalb machen wir auf dem Rückweg noch kurz an der Mall halt.


//Einschub: Wege in Istanbul. Das erste Mal kommt mir jeder Weg verhältnismäßig lang vor, aber schon beim zweiten Mal ist nichts weiter als in Hamburg auf dem Nachhauseweg bei Rewe rein. Man gewöhnt sich daran, dass die Wege etwas länger sind, aber vielleicht ist es auch die Tatsache, dass ich so gut wie keine punktuellen Termine habe, abgesehen von Interviews oder Zuhör-Meetings.//


Bei Starbucks in der Mall nehmen sie mich etwas auf den Arm, aus dem Grande Cafe Americano mit Milch wird ein Grande Americano, was irgendwie ein kalter Tee ist, beim neugemachten fehlt die Milch, mein Türkisch ist scheinbar noch lange nicht da, wo es sein muss.

Irgendwann sind wir wieder zu Hause und stellen uns seelisch auf das Deutschland-Spiel ein, den Verlauf bzw. die Kommentare und das Verhalten der Familie lasse ich unkommentiert…


Montag endlich mal wieder in den großen Supermarkt mit der Vermieterin, wo mein Freund Orchun meine Frisur komplementiert. Spaßvogel. Er hat irgendwann mal überhört, wie unsere Vermieterin meinen Namen durch den Laden gerufen hat, und mich ein paar Minuten später ebenfalls gerufen. „Sebastian, Sebastian!“ So als würden wir uns kennen. Ich habe natürlich zuerst die Welt nicht verstanden, versteckte Kamera vermutet, bis sich die Sache aufklärte. Jetzt üben wir immer meine neueste Vokabel oder wenn es die nicht gibt, ich bin ja auch faul, geht der Dialog ungefähr so: Guten Tag Orchun, Guten Tag Sebastian. Orchun. Sebastian. Orchun. Sebastian. Schönen Tag noch. Dir auch!

Güle Güle

Abenteuer Istanbul Woche 3/13 – Dolmabahce, Kuzguncuk und ein Anschlag

Der Kühlschrank ist voll, denn immer Donnerstag ist Markt. Ein Markt für Kram und Dings, aber vor allem Obst und Gemüse. Ich kaufe ein und übe Zahlen. Ein halbes Kilo Kirschen, Äpfel, Zwiebeln, 1 Bund Rucola, Basilikum, Tomaten, Gurken (Salat, die sind hier so groß wie große Essiggurken), 2 Kilo Erdbeeren. Dazu verschiedene Oliven, etwas was aussieht wie geflochtener String Cheese aber etwas salziger schmeckt. Schafskäse in Mengen.


Freitag machen wir wieder einen Ausflug, zum Dolmabahce Palast auf dem nördlichen Ende der europäischen Seite, wir nehmen die Fähre bis Kabatas und es ist warm. Sehr warm. Der Palast? Während die großen Räume im Beylerbeyi-Palast sehr eindrucksvoll sind erschlagen die Hallen des Dolmabahce-Palasts. Der Palast ist so groß, dass man den dministrativen Teil und den Harems-Teil des „Hauses“ in zwei Führungen aufteilt. Die wir beide machen, nachdem sich die Kids zwischendurch mit den wilden Katzen ausgetobt haben. Die Handwerkskunst noch detaillierter, noch eindrucksvoller, die Räume größer und mit größeren Vasen, schöneren Teppichen ausgestattet, zumindest im repräsentativen administrativen Teil. Die „große“ Halle? So groß wie die Empfangshalle des Hamburger Rathauses mit „Sitzecken“ an allen vier Seiten. Sitzecken für 30 Leute wohlgemerkt. Und Kronleuchter aus englischem Glas, 2 Tonnen schwer. In England gefertigt, das ist dem Guide wichtig. Der Gang von einem Part zum nächsten ist 300 Meter lang, weil es zwei getrennte Führungen sind werden wir am Ende umgeleitet…in die große Reception Hall. Die Decke macht Michelangelo Konkurrenz, der Kronleuchter hier wiegt 4,5 Tonnen und die Reinigung dauert 42 Wochen, 10.000 Teile werden abgenommen. Jedenfalls wird es so erklärt. In den Füßen der massiven Säulen sind die Heizungsauslässe versteckt, es dauert vier Tage um den Raum zu Heizen. Was manchmal nötig ist, wenn die Feiertage aufgrund des Monds schon im Februar sind. Keine Frage, wenn Beylerbeyi der kleine Palast ist ist Dolmabahce eindeutig der große.


Der Harem ist übrigens nicht der Part, wo die Konkubinen wohnen, zumindest nicht in der Türkei. Es ist der Teil des Hauses, wo die Privatgemächer des Sultans, seiner Mutter, seiner Frau, deren Mutter, und der weiteren Frauen, plus Sekretäre liegen. Plus mittelgroße Reception Halls für Frau, Mutter, Sultan’s Mother und Queen Mother. Unser Guide ist eine Frau mit wenig Lust aber sehr roten Schuhen und sie schafft die 30-Minuten-Tour in 20, „from here you will walk back on your own, but as a group of course“. Wir gehen ja schon.


Samstag regnet es, außer Einkaufen und spielen passiert nicht viel, aber Sonntag geht es nach Kuzguncuk, ein Ortsteil in Bosporusnähe der toll sein soll.

Unsere Busstation Kisikli erkennen wir kaum wieder – alles ist bunt geschmückt, es wimmelt vor Ordnern und Polizei, auf Plakaten steht RTE. Tatsächlich werden auf dem Weg zur Station die Taschen angeschaut und als ich dann die Situation ein wenig für Snapchat festhalte, bittet mich Christiane das lieber zu lassen. Die Sicherheitskräfte würden das überhaupt nicht mögen und mich im Zweifel konfrontieren. Also lasse ich das, aber wir werden noch mal hierauf zurückkommen.

Erste Beobachtung in Kuzguncuk, und es ist möglich, dass ich mich wiederhole: Istanbul ist hügelig. Unfassbar hügelig.

Zweite Beobachtung: Urban. Westlich. Bunt. Hip. Ein bisschen wie die Schanze. Oder New York.

Die Kinder sind zufrieden, denn es gibt jede Menge Katzen zum „oh süß-en“, und Spielplätze und Eis.


Jedenfalls für eine Weile. Den Weg zurück finden sie mühsam, denn es ist heiß, und hügelig. Dazwischen, nachdem wir uns die Straßen und Kleingemüsegartenparzellen von Kuzguncuk erlaufen haben kehren wir ein, im Cafe Yesil Mavi. Der Blick aus der Höhe auf den Bosporus, geschützt von Bäumen und Sonnenschirmen, der Telefonnummer als WLAN-Passwort und einem eigenen Spielplatz. Vielleicht gehen wir da auch unter der Woche mal hin, zum entspannten Arbeiten. Die Kellner sind entweder neu und/oder verstehen Englisch nur so mittel, aber wir bekommen am Ende was wir wollen, Lilli mal wieder „die beste Pizza, die [sie] je gegessen hat“. Naja. Eine schöne Parallele zu einem Hochzeitsfrühstück im Pamukkale: in einer Station sitzt eine alte Dame, die die ganze Zeit Gözleme auf dem runden Stein macht. Schmeckt auch hier.


 



Der Weg zurück zum Bus ist wie gesagt mühselig, aber dann sitzen wir endlich, es ist angenehm leer und zum Glück klimatisiert. Das ist gut, denn die 30 Minuten Strecke dauert fast 90 Minuten. Warum? RTE war nicht nur auf den Postern, sondern kam zur Wiedereröffnung einer Moschee am Platz. Mit Helikopter versteht sich. Den haben wir dann noch stehen sehen, auf dem Heliport kurz vor der Bushaltestelle. Warum ist da ein Heliport? RTE hat dort eine Wohnung, wahrscheinlich ist er nach der Eröffnung einfach zu Fuß nach Hause gegangen…

Am Dienstag dann wieder ein bisschen weniger Show, mehr Realität. Kurz nach 9 Ortszeit erreicht mich Christianes FB-Nachricht, ob wir irgendwas mitbekommen hätten? Wovon, ah, ein Anschlag. Haben wir nicht. Im Internet finde ich den Ortsteil raus, wir sind weit weg. Überhaupt, die Kinder schlafen noch. Es erscheint weit weg, vor allem, weil die Tendenz Europa/Polizei/Touristisches Ziel weiter erfüllt wird. Es dauert bis die Nachricht in Deutschland ankommt, es dauert, bis Tagesschau eine Eilmeldung verschickt. Zwischenzeitlich hatte ich überlegt, einen Facebook Eintrag zu schreiben, es dann aber verworfen. Nach und nach treffen aber doch einige Rückfragen ein und ich ändere meine Meinung. Die Eltern werden informiert.


Am nächsten Morgen ist die Geschichte in der Tagesschau-App schon wieder fast raus, der Streit um RTEs Aussagen größer, ebenso der Tornado in Hamburg. Dort wurde am Sonntag übrigens jemand auf offener Straße erschossen. Gleichzeitig erklärt sich Hillary zur Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei und Cameron warnt for den Folgen eines möglichen Brexit, die Schotten könnten dann das Vereinigte Königreich verlassen wollen. Und mein Internet ist wieder kaputt.

Gestern Abend war ich im Supermarkt einkaufen, Milch, Saft, dazu die Nudeln vom Abendbrot, der Kühlschrank ist wieder voll, das ist ja in Deutschland eine anerkannte Einheit.
Iyi Günler.