Revolution: Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke

(das Folgende ist meine ganz persönliche Meinung)

Meine Damen und Herren, wir präsentieren das Beiprodukt des neuen Klimakonzepts der Bundesregierung: Atomkraftwerke dürfen länger am Netz bleiben, als damals (vor dem Krieg) von der rot-grünen Koalition beschlossen. Atomausstieg war das Stichwort.

Nun leben wir aber in einem politischen System, bei dem mit dem Wahlsonntag die Amtsinhaber im Prinzip den Schreibtisch aufräumen und den Schlüssel an den Nachfolger übergeben, gern von einer anderen Partei. Egal, ob der Nachfolger sich mit dem Thema auskennt oder es ihn interessiert, denn es geht eher darum, wem wird noch etwas geschuldet. Aber das Volk hat ja gesprochen und jetzt kümmert sich nun mal die schwarz-gelbe Regierung um uns.

Hat es? Oder haben die Energieversorger, neudeutsch EVUs? Es war natürlich eine Geschäftsentscheidung, ganz egal, was die Studien sagen. Würde Politik noch als Vertretung des Volkes agieren, hätte die Entscheidung anders ausfallen müssen.

Nachdem ich gerade noch einmal einen Hagen Rether Clip zum Thema Islam gesehen habe, mag ich fast nur noch anschließen, “was rege ich mich auf”. Vier Laufzeitszenarien, die von dem was ich gelesen habe nicht neutral sondern gewertet verglichen wurden.
REM Um die Entscheidung für die Regierung leicht zu machen

Verlängerte Laufzeiten bedeuten Mehreinnahmen für die EVUs, Mehraatomabfall (den keiner haben möchte) und allgemeines Schulterklopfen für Angela Merkel.
REM Das die vereinbarte Steuer nicht nur gesenkt wurde, sondern wiederum von der Steuer absetzbar ist, ist so paradox, dass ich mir dringend den Fritze Merz zurück wünsche. #bierdeckel

Das Allerschlimmste an dieser Entscheidung ist jedoch, dass die erneuerbaren Energien kurz davor stehen, richtig Mainstream zu werden. Menschen verstehen, dass die Investition nicht nur aus klimatechnischen Gründen nötig ist, sondern auf lange Sicht nicht weh tut. Das Wind- und Sonnenstrom unbegrenzt lieferbar ist, man unabhängig wird. Diese Bewegung läuft nun Gefahr, an Momentum zu verlieren. Die Energieversorger hatten bis Montag ein Interesse daran, weiter zu forschen uns selbst Marktführer in der Gewinnung von erneuerbarer Energie zu sein. Jetzt nicht mehr. Die Forschung&Entwicklung Budgets können erstmal eingefroren werden, der 50MW-Windpark muss doch nicht noch in diesem Jahr beauftragt werden.

Es ist so traurig, da ist Deutschland endlich mal wieder Technologieführer und stolz drauf (und fragt sich, warum das nicht in mehr Branchen so ist), und dreht sich nun selbst den Hahn zu. Mich erinnert das an eine Passage aus Hermann Scheers Buch Energieautonomie, die ein sehr ähnliches Szenario aus den Staaten schildert. Dort gab es in den 70er-Jahren schon einmal eine Entwicklung vom Atomstrom weg, um andere Energiequellen zu nutzen. Bis die Atomlobby sich durchsetzte und die Stromversorgung weiter primär nuklear gedeckt wurde. Sämtliche Maßnahmen im alternativen Strombereich wurden daraufhin eingefroren.

Ach ja, und eine Revolution ist das alles weiß Gott nicht. Weder die beschlossene Senkung des CO2-Ausstoßes, noch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

REM Und wenn Frau Merkel mal nicht mehr will, dann macht es der Rüttgen, wir sind ja so vergesslich.

Wo ist eigentlich der Waldermann, wenn man ihn mal braucht?

Was rege ich mich auf.

Folgende Artikel wurden zur Erstellung dieses Artikels gelesen und nicht im Text verlinkt:
taz.de – Die Gewinnausschüttung
Lumma.de – Nach der Reform die Revolution
BEE – Energieszenarien der Bundesregierung sind wertlos und irreführend
Spiegel.de – Schwarz-Gelb lässt Atomfreunde strahlen
Spiegel.de – Merkels Masterplan für die Energiewende
Klima-Lügendetektor: Schwarz-gelb: scheingrünes Energiekonzept
taz.de – Atomstrom noch bis mindestens 2036
Spiegel.de – Regierung trickst bei AKW-Jahreszahlen
Klima der Gerechtigkeit – Wir danken Frau Merkel
Greenpeace Blog: Vorfahrt für Atomkonzere
Zeit.de – Malefiz auf See
Zeit.de – 2050 gibt es nur noch Ökostrom