Thomas Pletzinger: Bestattung eines Hundes

Mit Büchern von Freunden und Bekannten ist das so eine Sache. Also mit Büchern, die Freunde und Bekannte geschrieben haben, nicht denen, die man sich von ihnen geliehen hat. Man möchte sie mögen, ganz dringend. Will ja keine Gefühle verletzen. Als Thomas Pletzinger mir also schrieb, dass sein Erstlingswerk nun erhältlich sei, habe ich es gekauft und wollte es lesen – und mögen. Hier(FAZ) und da(Zeit) mochten es auch andere, professionelle Leser, das machte Mut.

Thomas und ich haben zusammen Amerikanistik studiert, hatten denselben Tutor, teilen einen Geburtstag (jedoch bin ich älter) und mochten Literatur. Nun ja, ohne ins Detail zu gehen, es stellte sich heraus, das Thomas deutlich getriebener war, was die kreative Literatur anging. Schon seine Bewerbungsportfolio für die Kunsthochschule war eindrucksvoll, doch der Drive mit dem er seine eigenen literarischen Gehversuche forcierte war bemerkenswert, ich dagegen eher pragmatisch veranlagt. Dieser Drive wird vielleicht in einem Detail deutlich, das er vor kurzem dem Abendblatt verraten hat: 30-40 Notizbücher hat er vollgeschrieben. Das nenne ich fokussiert.

Zum Buch also, das ich unbedingt mögen wollte:
In Bestattung eines Hundes geht es um viele Dinge, unter anderem um die Geschichte des Journalisten Daniel Mandelkern, der von seiner Vorgesetzten und Ehefrau beauftragt wird, eine Story über einen Kinderbuchautor zu schreiben. Das dazu nötige Interview mit dem Autor soll bei diesem zuhause am Luganer See stattfinden. Während seines Aufenthalts am See “manifestiert” sich das Interview zunächst nicht wirklich, stattdessen erhält Mandelkern über verschiedene Wege Einblick in den Gemütszustand und die Vergangenheit des Autors.

Mein Fehler:
Ich habe die ersten ca. 80 zu unkonzentriert gelesen. Zwischendurch andere Bücher/Artikel etc., deshalb hat das Warmwerden mit dem Text auf sich Warten lassen.

Mein Urteil:
Unbedingt lesen! Bestattung eines Hundes ist nämlich ziemlich gut. Das Kritierium “Erstlingswerk” wird nicht offensichtlich sichtbar, höchstens im Positiven: Hier besteht kein Druck, hier müssen keine Erwartungshaltungen erfüllt werden – hier konnte jemand frei schreiben (also im Ergebnis wie viele Debutalben von Bands, die dafür 10 Jahre Zeit hatten). So liest es sich jedenfalls. Die zweigleisig aufgebaute Erzählstruktur ist passend gewählt, die Sprache sehr bildreich, jung, aber doch sehr literat, wenn das geht. Ein modernes Buch, aber dennoch hat man nicht das Gefühl, Stephen King-Sprache zu lesen, sondern eher Holden Caulfield. (Literturstudenten bevorzugen natürlich letzteres)

Und obwohl man meinen könnte, es geht um Mandelkerns Beziehung zu seiner Frau und das Interview über ein Kinderbuch, entblättert Pletzinger (umgeschaltet zur 3. Singular, gesiezt) Hülle um Hülle ein komplexes 5er-Verhältnis, deren Aktionen dem Leser nach und nach geschildert werden. Auf einmal ist das ganze nicht nur schön zu lesen sondern wird unvermittelt, obwohl es um die Verangenheit geht, richtig spannend. Nach einem der Höhepunkte wird dem Leser plötzlich klar, wie der Titel des Buches in die Geschichte passt und eine Phase der komisch entspannten Vorahnung beginnt. Mitfiebern. Bis zum Schluss.

Well Done, my friend!